Infantiler Glaube

02. Februar 2009

Die Glaubensgeschichte des Judentums kann als Geschichte der Zähmung von Religion gelesen werden, als Zurückdrängung des Machtmissbrauchs der Religion.

Beim Verbot des Menschenopfers (Abraham und Isaak) geht es nicht um den bedingungslosen Gehorsams Abrahams, sondern darum, dass sich sein Gott als einer zu erkennen gibt, der Menschenopfer nicht will und verbietet.

Das zweite Gebot von Moses verbietet ausdrücklich, den Namen Gottes zu missbrauchen. Da geht es nicht ums Fluchen, sondern um den macht- bzw. kirchenpolitischen Missbrauch der Instanz Gottes. Und so ein Missbrauch seitens des neuen Linzer Weihbischofs ist es, beispielsweise die Zerstörung von Mississippi durch den Wirbelsturm Katherine oder den Tsunami als Strafe Gottes zu interpretieren. Als studiertem Theologen fällt mir dazu natürlich die Hiobs-Geschichte ein: Der brave und gottesfürchtige Hiob wird von Gott in seinem Glauben durch eine Reihe von Unglücksfällen getestet: Er verliert seine Familie und seinen Wohlstand.

Seine religiösen Freunde deuten sein Schicksal als Strafe Gottes und werden im Buch Hiob als Falschgläubige (und nicht als Orthodoxe!) dargestellt. Seit dieser Hiobsgeschichte dürfte also niemand mehr aus Juden- oder Christentum von der Strafe Gottes reden.

Halten wir fest: Die Rede von der Strafe Gottes ist in jüdisch-christlicher Tradition seit Jahrtausenden (!) theologischer Schwachsinn. Kirchenleute, die so denken (und reden) vertreten keine orthodoxe Lehrmeinung, sondern einen magischen Aberglauben.

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