Bildungskritiker: Ignoranz und Planlosigkeit?

30. Juni 2010

Der Neurowissenschafter (Uni-Klinik Ulm) Manfred Spitzer kritisiert in einem Interview im Standard das (aktuelle? deutsche?) Bildungssystem und schießt sehr undifferenziert auf die Lehrenden:

Schauen Sie sich den Umgang mit Computern an. Man erhoffte sich, dass die Schulleistungen durch die Einführung von Computern an den Schulen besser werden. Das Gegenteil ist der Fall. Die Leistungen werden schlechter. Wenn man Informationstechnik einführt, sollte ein klares Konzept dahinterstehen. Das gab es bisher nicht. Die Lehrer konnten gar nicht wissen, was sie mit den Computern tun sollten.
Bildung ist so wichtig wie Luft„, derstandard, 25. Juni 2010

Auch von anderer Seite wird immer wieder der mangelnde Computereinsatz beklagt. Nun unterrichte ich seit mehr als zwei Jahrzehnten in einem Schultyp (Handelsakademie: Berufsbildende Höhere Schule mit wirtschaftlichem Schwerpunkt), an dem es bereits in den 1980er-Jahren eine breitgefächerte Informatik-Ausbildung gab: In Textverarbeitung lernt man das 10-Finger-System sowie den Umgang mit gängiger Textverarbeitungs-, Präsentations- und Desktopspublishing-Software. Das Fach Wirtschaftsinformatik lehrt Betriebssystemverwaltung, Tabellenkalkulation mit Einsatz von Schriftsprachen (VBA). Mittlerweile bieten wir einen Zweig mit Multimedia und Webdesign an und man lernt dort Bild-, Audio-, Videobearbeitung und Animation sowie die wichtigsten Aspekte von Webdesign (Gestaltung, Datenbankprogrammierung, CMS, Podcasting und SocialMediaMarketing). Seit etwa 2 Jahrzehnten setze ich den Computer regelmäßig im Mathematik-Unterricht ein, für Visualisierung, experimentelles Arbeiten und Recherche.

Manfred Spitzer forscht und arbeitet im Bereich Neurowissenschaften und Lernen. Ich emfehle ihm, sich in öffentlichen Äußerungen auf sein Arbeitsgebiet zu beschränken und lieber das Bildungssystem mit Ergebnissen und Denkanstößen aus seiner Forschung zu bereichern.

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2 Antworten zu “Bildungskritiker: Ignoranz und Planlosigkeit?”

  1. Simon Voggeneder sagt:

    Vielleicht ist aber auch die HAK Freistadt ein recht einsames positives Beispiel in Sachen Integration von Informationstechnologie in den Unterricht?

    Zumal das Potential sicher noch nicht ausgeschöpft war (Stand 2007, Jahr meiner Matura). Seit wann wird SocialMediaMarketing unterrichtet? Das hätte ich auch gerne gelernt.

  2. johann moser sagt:

    Der EDV-Unterricht ist grundsätzlich an allen Handelsakademien gut organisiert. Multimedia, Webdesign & Software wird nicht überall angeboten und wie immer hängt es an den lehrenden Personen, wie die Realität aussieht.

    Das Potential ist (leider) nie ganz ausgeschöpft, weil man als Lehrer ja nicht nur interessierte Schüler/innen vor sich hat. Das war auch bei euch sehr unterschiedlich. Und weil das eigene Weiterlernen – gerade in diesem Bereich mit sehr viel Wandel – halt auch seine Zeit braucht. Mit Individualisierung im Unterricht läßt sich das persönliche Potential aber sicher besser ausschöpfen.

    SocialMediaMarketing mache ich seit heuer und ich werde das ab Herbst weiter ausbauen. Das hängt damit zusammen, dass ich mich auch privat und geschäftlich damit befasse und ich alles, was passt und was ich kann, gerne weiter vermittle. Damals – 2005 bis 2007 – waren Blogs, Podacsting, Facebook & Co noch nicht so aktuell wie heute.

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