Das Scheitern politischer Quereinsteiger/innen

09. April 2009

Von politischen QuereinsteigerInnen in der Politik erwartet man sich einen unkonventionelleren Zugang zu Themen, weniger parteipolitische Engstirnigkeit und entsprechende Zielstrebigkeit. Politisch Quereinsteigen heißt meistens, nicht im politischen Denken verankert sein. Daher enttäuschen politische QuereinsteigerInnen rasch.

Im Bereich der Bildungspolitik erleben wir dieses Scheitern gerade. Ich skizziere meine Erwartungen an die Arbeit einer Bildungsministerin / eines Bildungsministers.

  • Ein/e Bildungsminister/in sollte zumindest die Entwicklung der Bildungspolitik seit der 1970ern in Österreich kennen, das österreichische Bildungssystem mit den Unterschieden zwischen Grundschulen und zwischen AHS, BHS, BMS, dazu die Berufsschulen, etc. Dazu die jeweils schulspezifischen Probleme, die Mängel unseres Bildungssystems und (erfolgreiche) Bildungssysteme in anderen vergleichbaren Staaten.
  • Soziale Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten sollten eingesetzt werden, um regelmäßig mit den VertreterInnen der verschiedenen Schultypen über deren Vorstellung von der Weiterentwicklung des Bildungssystems zu sprechen. Da soll es auch um das Herausbilden einer eigenen bildungspolitischen Position gehen.
  • Gerade von einer Quereinsteigerin als Bildungsministerin würde ich mir erwarten, Kontakt zu engagierten Lehrkräften aus den verschiedenen Bereichen aufzunehmen, die nicht in den herkömmlichen Vertretungen und Organisationen erfasst sind. Es dürfte nicht so schwer sein, solche Leute auch zu finden. Das Gespräch mit diesen “Individualisten” könnte einen Blick aus anderer Perspektive einbringen. Ein Gespräch mit den Landes-ARGE-Leitern der Fächer wäre sicher nicht schlecht, dort kann man auch erfahren, welche interessanten Lehrkräfte und pädagogische Ansätze es in den einzelnen Fächern und Schultypen gibt.
  • Dann erst kann man bildungspolitische Akzente setzen. QuereinsteigerInnen fehlt in der Regeln dieser komplexe Zugang zur Materie, sie glauben gerne, ihre Meinung sei die einzig mögliche und richtige, kommen vielleicht aus autoritären (Management-)Berufen und halten ihre eigene Schulerfahrung für bildungspolitisch relevant.

Über das grundsätzlich vorprogrammierte Scheitern von QuereinsteigerInnen in der Politik: http://www.zeit.de/2009/15/Meinungsleiter-Politikerberuf?page=1

Gary Fuchsbauer (ÖLI) direkt aus den Verhandlungen mit dem Team des Bildungsministeriums: http://www.oeli-ug.at/?id=151

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