Wie schmecken Windkraftanlagen?

10. Dezember 2009

In den vergangenen Wochen gab es eine intensive Diskussion in lokalen Medien über Windkraft im Mühlviertel. Auslöser waren Widerstände gegen eine angedachte Errichtung eines Windparks in Windhaag/Leopoldschlag. Die Proponenten luden zu einer Informationsveranstaltung ein, um Kritik hinter vorgehaltener Hand zu begegnen.

Als Geschäftsführer der Fa. Neue Energie GmbH bin ich über das neue Projekt informiert, stehe Windkraftprojekten grundsätzlich positiv gegenüber und möchte zu den aktuellen Diskussionen und Einwänden Stellung beziehen. Das neue Projekt wird übrigens nicht von den Betreibern des Windparks Spörbichl vorbereitet.

Ich zitiere einige Einwände, die in den Medien kolportiert wurden: Einige Anrainer befürchten

eine nachhaltige Verschlechterung ihrer Wohnqualität und massiv negative Auswirkungen auf die weitere Siedlungstätigkeit im Markt. Außerdem wird mit einem nicht zu verantwortendem Eingriff in die gesunde Natur und das typische Landschaftsbild argumentiert. „Windräder sind typisch für Küstenlandschaften, nicht für das Mühlviertel„, … die Anrainer befürchten Lärmbelästigung und Schattenwurf. (Tips, 2.12.2009, Seite 2)

Die Befürchtungen sind so alt wie die Geschichte der modernen Windkraftanlagen

Die Befürchtungen sind so alt wie die Geschichte der modernen Windkraftanlagen. Veränderung des gewohnten Landschaftsgefühls, Lärm, Schattenwurf. Nur von den toten Vögeln hat hier noch niemand geschrieben. Aber die gibt es eben nicht, das entspricht auch der Erfahrung der ersten 10 Jahre Windpark Spörbichl.

Eine strenge Prüfung geht der Errichtung von Windparks voraus

Der Errichtung eines Windparks geht eine strenge Prüfung verschiedener Faktoren voraus: Abstände und Lage der Häuser in der Umgebung für Lärm- und Schattenwurf. In Spörbichl waren 300m Abstand nötig, die aktuelle Anlagen (Vorderweißenbach) erfordern bereits 700m bis 1000m Abstand. Genaue Gutachten geben genau an, welche Fenster zu welchen Zeiten und unter welchen Bedingungen von einem Schattenwurf betroffen sind. Es geht meist um ein paar mögliche Jahres-Stunden (!) im Winter bei Morgen- oder Abendsonne. Auch beim Lärm kann ich entwarnen: Bei heftigem Wind sind die Umgebungsgeräusche (Bäume) lauter. Besonders streng wird ein Windpark vom Landschaftsschutz geprüft.

Kein Lärmproblem

Alfred Klepatsch, direkter Anrainer des Windparks in Spörbichl: „Allerdings kann von einem Lärmproblem nicht die Rede sein. Ich wohne etwa 300m von den Windrädern entfernt, man hört sie schon hin und da, aber es ist nie eine Belastung.

Zurück zu den Anrainer-Befürchtungen. Die Spörbichler Dorfgemeinschaft ging 1998 etwas klüger vor. Nach einem ersten Gespräch mit den potentiellen Anrainern des Windparks Spörbichl haben die Spörbichler den Windpark Eberschwang/OÖ. besucht und vor Ort geprüft, ob die Windkraftanlagen eine optische, akustische  oder sonstige Belastung seien. Sie haben sich vom Gegenteil überzeugt: Spörbichl ist imagemäßig aufgewertet worden, Windhaag hat den Europäischen Solarpreis erhalten und ich erinnere mich noch an die Zeit nach Inbetriebnahme Ende 1999: Es gab einige besorgte Anrufe von Anrainern, allerdings nur dann, wann die Anlagen nicht in Betrieb waren: Warum sie nicht laufen, ob eh alles in Ordnung sei!

Horror-Visionen verängstigen nur

Den Bock der Windkraft-Gegner schießt ein (befreundeter) Künstler ab, indem er als ästhetisch Betroffener eine Horror-Vision sieht: Das Wald- und Mühlviertel mit Windrädern überzogen! (W.B.) Das ist aufgrund der Zersiedelung des Mühlviertels schlicht unmöglich. Wenn wir keine anderen (Energie-)Sorgen haben, dann ist ja alles in Ordnung!

Keine Angst, Walter, die Naturlandschaft des Mühlviertels ist eine Kulturlandschaft (Agrikultur), hat sich immer wieder verändert und gerade als Künstler sollte man soviel ästhetische Flexibilität aufbringen, auch neue Elemente in der Landschaft zu akzeptieren. Am gleichen Tag, als mich dein Leserbrief-Email erreichte hat mir ein anderer befreundeter Künstler & Kunstprofessor von sich aus von einem Urlaub an der Ostsee erzählt, von den ästhetischen Windkraftanlagen, die man vom Fenster aus sehen (und auch ein bisschen hören) konnte. Er beobachtete ein interessantes, ruhiges Drehen der Räder, die manchmal synchron, manchmal asynchron zu einander sich drehten. So verschieden können Geschmäcker sein.

Keine Angst! Die Windkraftanlagen sind keine nachhaltige Beeinträchtigung: Sie werden nach etwa 20 Jahren wieder abmontiert und haben in dieser Zeit ihren Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung beigetragen.

Irgendwie werden wir unsere Energie gewinnen müssen. Dass das nachhaltig sein muss, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Gegenden mit unbebauter Landschaft können Windkraft nutzen, andere Gegenden werden stärker auf Biomasse, Solarenergie oder Wasserkraft setzen. Das Beste ist ein Mix aus diesen nachhaltigen Energieformen. Als sinnvoll empfinde ich, dass jeder Ort einen (auch sichtbaren) Beitrag zur eigenen Energieversorgung leistet. Darauf dürfen Orte (wie beispielsweise Windhaag) ruhig stolz sein.

Angst vor nachhaltiger Energiegewinnung ist deplatziert. Angst sollte man nur davor haben, dass wir von unserem fossilen CO2-Trip nicht rasch genug herunterkommen.

Ein Angebot: Der technische Betriebsleiter des Windparks Spörbichl, Franz Zacharias aus Spörbichl, lädt gerne alle Interessierten zu einer Windpark-Besichtigung nach Spörbichl ein, vielleicht können sich einige Vorurteile in Luft auflösen.

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Eine Antwort zu “Wie schmecken Windkraftanlagen?”

  1. Bernhard Riepl sagt:

    Lieber Hans, noch ist die Langversion meines Leserbriefs (den deinen las ich damals, fand ich spitze) nicht online, versuche aber, das hinzukriegen. Bis auf Weiteres lass ich ihn hier nochmals,… ciao und schönen Gruß aus Budweis, B.


    Jännerralley versus Windräder?

    Bisher zwei selbständige Themen. Gibt es hier nicht aber Zusammenhänge? Von außen betrachtet empfand ich nach den Protestaktionen gegen Temelín jeden Versuch, die Energieversorgung auf Erneuerbare Basis zu stellen, als wichtige Initiative, wie auch in Tschechien die Diskusion in die richtigen Bahnen kommen kann. Es gibt eine tolle zweisprachige Ausstellung dazu in Windhaag. Die Leute um den Energiebezirk Freistadt versuchen, endlich System in die Energiediskussion zu bringen. Ähnlich das Energycenter in Budweis, das gerade wieder Busse zur Energiesparmesse nach Wels organsiert. Und, und und…

    Ich erlebte Exkursionen nach Windhaag, wo tschechische Bekannte ihr Misstrauen gegenüber den Österreichern gegen einen begeisterten Blick auf Windräder und Solaranlagen eintauschten. Einige davon versuchen später, im eigenen Bereich z.B. ein Passivhaus zu bauen, oder werden Aktionäre der Windkraftfirma http://www.windkraft.at, sind in der Regel jedenfalls nicht mehr selbstbewusste Verteidiger der Atomkraft, die sie vielleicht zu Zeiten der Grenzblockaden noch waren. Ich sehe also Fortschritte. Die kamen auch dadurch zustande, dass es z.B. diese Windräder in Grenznähe gibt.
    Jedes dieser Projekt braucht Zeit und Diskussionen. Es darf kein Drüberfahren geben und am besten laufen Projekte, bei denen die unmittelbaren Nachbarn eingebunden sind und vielleicht sogar verdienen können. Dass das geht, hat so Mancher schon begriffen. Ich würde es jedenfalls begrüßen, wenn zu den Windrädern in Windhaag, Schenkenfelden und am Sternstein auch in Leopoldschlag welche dazukommen würden.

    Übrigens beträgt die in Österreich installierte Leistung aller gut 600 Windräder fast so viel, wie ein Block in Temelín schafft. In den letzten Jahren kamen in Österreich aber kaum Windräder hinzu, während im Bereich der Photovoltaik in derselben Zeit in Tschechien knapp doppelt so viele Anlagen aus dem Boden wuchsen, wie wir in Österreich haben. Nicht selten in megalomanischer Manier, wo die Bevölkerung wenig eingebunden ist. Leider. Aber aus Fehlern kann und soll man lernen. Das ist auch meine Verknüpfung mit der Jännerralley.

    Wenn man als Bezirk Freistadt engagiert an der Energiewende arbeitet, im Bereich der Abfallentsorgung Pionierarbeit geleistet hat und auch sonst bei wenig Mitteln so Einiges zustande bringt, frage ich mich, ob Veranstaltungen wie die Jännerralley nicht vieles davon konterkarieren. Jedes durchdachte Werbekonzept legt Wert, dass es nicht von widersprüchlichen Signalen entwertet wird.

    Ähnlich sehe ich die Situation hier. Wäre nicht sinnvoll, nicht zuletzt aus touristischen Gründen, statt der Jännerralley z.B. einen Elektrofahrzeugwettbewerb anzudenken, im Rahmen dessen grenzüberschreitend mit Ökostrom betriebene Neuheiten auf diesem Sektor präsentiert würden? Am besten im Sommer. Ich hielte das für eine gescheite und sinnvolle Sache.

    So wie ich übrigens auch einen Anschluss des Betriebsbaugebiets in Rainbach an die Eisenbahn für klug gehalten hätte. Die S-10-Lobby war leider stärker. Muss das immer so sein??? Nein!!

    Aus verschiedenen Gründen kann ich also sowohl Kritiker der Jännerralley verstehen als auch die Befürwörter des geplanten Windparks in Leopoldschlag unterstützen. Was aber nicht heißt, dass Überlegungen für das eine oder Bedenken gegen das andere nicht legitim wären.

    Bernhard Riepl, Budweis/Sandl

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