Energie-ineffizientes Lehren und Lernen

25. November 2008

Plädoyer für eine umfassende Reflexion des Österreichischen Lehr-Lern-Systems als Beginn einer Bildungsreform.

In Österreich wird gerne hinter verschlossenen Türen Politik gemacht. Die Betroffenen erfahren erst nach einem politischen Kompromiss, was Sache ist. Mitdenken und mitreden ist nicht möglich und nicht erwünscht. Auf diese Weise wird auch die neue Regierung bildungspolitisch auf dem Stand treten.

In ein paar Beiträgen skizziere ich die von mir wahrgenommenen Probleme, die gleichzeitig Lösungswege für unser Bildungssystem aufzeigen.

Erstes Problem unseres Schulsystems: Energie wird ineffizient eingesetzt.

Schüler/innen benötigen einen zu großen Teil ihrer Energie für Konzentration auf ihre Schwächen statt auf die Stärken. Frust und Lernunlust sind die Folgen. Streit und schlechte Stimmung in der Familie sind oft Begleiterscheinungen. Könnten unsere Lernenden die gleiche Energie für Bereiche aufwenden, in denen sie begabt sind, wäre der Output wesentlich besser: die Schwächen, die so viel Energie gebunden haben, werden am Ende des Bildungsweges meist nicht weiterverfolgt, der Energieeinsatz war bestenfalls nutzlos.

Neben einer stärkeren Individualisierung im Unterricht sind auch strukturelle Reformen innerhalb der Schultypen erforderlich: ein System mit Kursen auf verschiedenen Stufen: Basiskenntnisse, Erweiterungsstufe, Spezialkenntnisse. Über ein gewichtetes Punktesystem für die Kurse und die Verpflichtung zu den Basiskursen (für alle) wird sichergestellt, dass alle eine bestimmte Anzahl und Qualität von Kursen besucht haben. Könnte an UNIs fortgesetzt werden.

Bis es so weit ist, ein Vorschlag an die Lehrenden: zu akzeptieren, dass manche in einzelnen Bereichen schwächer sind; sie mitlaufen lassen und sich nicht davon abhalten, die Begabteren stärker zu fördern. Und das ist gleichzeitig ein Beitrag zur Burnout-Prophylaxe für Lehrende: Nichts ist deprimierender als ständig viel Druck auszuüben, wo sich nicht viel bewegen kann.

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