PISA-Boykott unzulässig?

11. April 2009

Am 6. April 2009 kommentierte in den Salzburger Nachrichten ein a.k. (Andreas Koller?) in der Glosse “Nadelstiche gegen Kinder” die von Lehrerseite angedachten Protestmaßnahmen in Sachen Arbeitszeitverlängerung:

Kein PISA-Test. Keine Schulveranstaltungen. Keine Teamsitzungen. Keine Sport- und Projektwochen. Keine eLearning-Projekte. …

Man könnte auch sagen: Um die Ministerin zu strafen, fügen die Gewerkschafter ihren Schutzbefohlenen, den Schülerinnen und Schülern, vorsätzlich Schaden zu. Denn jeder der geplanten “Nadelstiche” verschlechtert den Unterricht. … Es wäre schön, würde die Gewerkschaft ihre “Nadelstiche” gegen die Ministerin richten. Und nicht gegen die Kinder.

Da liegt a.k. ganz schön daneben. Die Ministerin hat ausdrücklich festgehalten, dass sie keine Arbeitszeitverlängerung, sondern nur eine Umschichtung in Richtung Unterricht will. Bei zwei Stunden mehr Unterricht pro Woche heißt das, vier Stunden pro Woche einzusparen. In einer Woche mag das die PISA-Studie sein, die nicht durchgeführt wird, in einer anderen Woche der Känguru-Test (das trifft ziemlich genau die 4 Stunden). Vermeidbare Teamsitzungen, Schulveranstaltungen und vor allem die Reiseplanung und -leitung durch Lehrkräfte auf Skikursen und Sportwochen werden entfallen müssen. Es wird weniger Hausübungen geben und Multiple Choice Tests als Schularbeiten, damit schneller und effizienter korrigiert werden kann. Soweit das Konzept der Ministerin. Natürlich ist das eine Verschlechterung für die Lernenden. Das ist eine Frage der Rahmenbedingungen. Auch das derzeitige Bildungssystem ist eine Verschlechterung für die Lernenden, wenn man es mit einem besseren vergleicht. Schuld daran sind aber nicht die Lehrkräfte, die müssen sich eben nach den Rahmenbedingungen richten.

Ein paar Tage später mußte sich die SN bei ihren AbonnentInnen dafür entschuldigen, dass am 9. April die Zeitung wegen eines Druckerstreiks nicht zugestellt werden konnte. Ein “Nadelstich” der Druckergewerkschaft gegen die AbonnentInnen von Tageszeitungen wird von a.k. kommentarlos akzeptiert? Wie komme ich als Abonnent dazu, keine Zeitung zu erhalten, nur weil sich Drucker und Herausgeber streiten? Sollen die Drucker sich doch direkt gegen die Herausgeber richten!

Vielleicht hat es a.k. jetzt gelernt: Ein Streik trifft meist jene, die als Dritte involviert sind und nicht den Streitpartner. Dadurch wird Druck auf den Streitpartner ausgeübt. Das ist der Sinn eines Streiks, wenn Gespräche ohne Ergebnis enden. Arbeitsniederlegung sagt man dazu auch. Wenn die Bahn streikt, sind die Fahrgäste betroffen und nicht der Verkehrsminister. In unserem Fall sind es eben die Kinder. Und in unserem Fall geht es gar nicht um Streik, sondern um die verlangte Umschichtung unserer Arbeit. Keine Angst: wir werden wirklich umschichten!

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