Der Mensch als sich durch Übung selbst erzeugendes Wesen

10. Mai 2009

Dieser Tage ist mir eine Neuerscheinung in die Hände gefallen, die einige meiner theologischen Gedanken und Ansätze weiterdenkt und ausformuliert. Ich meine das aktuelle Werk des deutschen Philosophen Peter Sloterdijk, Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik, Suhrkamp 2009, 723 Seiten.

Keine Angst, Du mußt dein Leben ändern ist kein vordergründiger moralischer Imperativ. Sloterdijk analysiert in der Einleitung “das religiöse, spirituelle und ethische Material” der Menschheitsgeschichte und der Kulturen unter einem neuem Blickwinkel und postuliert, dass wir von der Gegebenheit von “Religion” Abschied nehmen sollten, Gläubige wie Nicht-Gläubige. Die Phänomene wie Frömmigkeit, Moral, Ethik, Askese gehören für Sloterdijk zu einer Gruppe von Phänomenen, die in psychischen Systemen für Orientierung sorgen, sogenannten Anthropotechniken.

Ich verstehe hierunter die mentalen und psychischen Übungsverfahren, mit denen die Menschen verschiedenster Kulturen versucht haben, ihren kosmischen und sozialen Immunstatus angesichts von vagen Lebensrisiken und akuten Todesgewissheiten zu optimieren. (S 23)

Wesentlich an den Anthropotechniken ist der Übungscharakter: der Mensch als Übender, als sich durch Übung selbst erzeugendes und dabei über sich hinausgehendes Wesen. Wenn ich nach der Lektüre der Einleitung die Intention des Autors richtig verstanden habe, nimmt er “die zum Teil jahrtausendealten Fäden auf, die uns an frühe Manifestationen menschlichen Übungs- und Beseelungswissens binden“. Nicht als Religion, sondern als Übungssysteme im obigen Sinn neben anderen Übungssystemen.

Warum mir dieser Ansatz gefällt? Weil hier von einer säkularisierten Form von Religion die Rede zu sein scheint. Die die positiven Aspekte von Spiritualität ohne den Herrschafts- und Wahrheitsanspruch von Kirchen explizit aufgreift und daran anknüpft. Lassen wir uns von der Lektüre überraschen! Ich werde im Laufe der Lektüre dieses philosophischen Werkes noch mehrere Beiträge darüber schreiben.

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