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Medienspiegel Studienproteste

Samstag, 07. November 2009

Die Proteste der Student/innen sind seit zwei Wochen auf den Titelseiten aller Zeitungen. Nach anfänglichem Ignorieren und Belächeln haben Anzahl und Ernsthaftigkeit der Kommentare zugenommen.

Ein paar Kommentare in der aktuellen “Die Furche” zeigen, dass auch konservative JournalistInnen differenziert über die Proteste und die Missstände an den Universitäten denken können. Wenn ich an einzelne Kommentare in der Presse denke, wird mir eher schlecht: Diese (Chef)Redakteure sind ähnlich ignorant wie die Regierenden. Wobei es in der Presse durchaus wohlwollende Journalist/innen gibt, wie der Live-Chat (Audimax-Besetzer: “Bei uns kann sich jeder einbringen”) zeigt.

Otto Friedrich (Die Furche) zieht eine Parallele zur Antiatombewegung gegen Zwentendorf und zur Besetzung der Hainburger Au. Und freut sich über den Kommunikationstechnologie-Einsatz der Studierenden.

Denn seit Jahr und Tag war klar, dass Österreichs Hohe Schulen weder finanziell noch strukturell noch inhaltlich fit sind. Typisch österreichisch: Die Politik brachte dies ebensowenig wie die Betroffenen so stark ins Spiel, dass es auch zum Thema für den öffentlichen Diskurs taugte. Dabei steht mit dem tertiären Bildungsbereich viel von der Zukunft Österreichs auf dem Spiel.
Die Kraft des Paradoxen
, Otto Friedrich, www.furche.at, 5.11.2009

Auch Raimund Lang (Die Furche) findet argumentativ Verständnis für die Studentenproteste und schreibt über berechtigte Forderungen.

Ja darf man denn so etwas? Da besetzt eine Gruppe junger Menschen Wiens größten Hörsaal. Sie organisieren Vorträge, Filmabende und stellen einen Küchenbetrieb auf die Beine. Sie besitzen die Dreistigkeit, eine Verbesserung der Studienbedingungen zu fordern. Und statt mit Pflastersteinen Scheiben einzuwerfen, diskutieren sie basisdemokratisch, was das Zeug hält.
Die Studentenproteste des Oktober 2009 sind ein Novum. Sie sind nicht Resultat akkordierter Planung, sondern Ausdruck eines spontanen Handlungsbedürfnisses engagierter Individuen. Sie haben sich nicht sofort wieder aufgelöst, sondern sich auf Österreich ausgeweitet. Da steckt Frust dahinter. Eine tief empfundene Hilflosigkeit. Das Gefühl, von der Politik im Stich gelassen zu sein. Die Forderungen der mittlerweile zu einer Art Organisation gereiften Aktivisten sind vage genug, um nicht am Abstimmungsritual zu scheitern. Andererseits so konkret, dass man sich ihnen inhaltlich stellen kann.

Oktoberrevolution im Hörsaal
, Raimund Lang, www.furche.at, 5.11.2009

Jeannine Hierländer und Nicole Stern (Die Presse) haben offenbar das Gespräch mit StudentInnen gesucht und nehmen konkrete Missstände an den UNIs zur Grundlage ihres Berichts:

Zuhören auf den Stufen. …  Anna erzählt: „Die Professoren kennen einen nicht.“ Auch in den Übungen, die eigentlich dazu da wären, den Vorlesungsstoff zu vertiefen, sei das kaum besser. Einmal habe ein Kollege den Vortragenden gebeten, lauter zu sprechen. Seine Reaktion: „Setzen Sie sich vorne auf die Stufen, dann verstehen Sie mich.“ „Das sind so Sachen, über die man sich ärgert.“
Studentenleben: “Man muss um jeden Platz kämpfen”, 07.11.2009 | von Jeannine Hierländer und Nicole Stern (Die Presse.com)

Lesenswert ist auch Günter Traxler (derStandard). Sehr pointiert erinnert er die Politiker daran, dass sie selbst diese Missstände erzeugt haben und zeigt auf, wie unpassend die Reaktionen der zuständigen Politiker sind.

Die ÖVP ist beleidigt, dass die Studierenden die Folgen jener Reformen, denen die Zuspitzung der Verhältnisse ins Unerträgliche zu verdanken ist, nicht in der gebotenen Demut hinnehmen, sondern die Probleme artikulieren – und damit auch noch breite Zustimmung ernten. Und das, ohne den Amtsweg über die Hochschülerschaft zu beschreiten, mit deren Funktionären sich Regierungsmitglieder ein Gespräch gerade noch vorstellen können, sondern in frecher Selbstorganisation.
Lästige Jugend
, Günter Traxler/DER STANDARD-Prinstausgabe, 6. November 2009

Während unter den JournalistInnen die Sympathie mit den Studierenden wächst, zeigte der nächste Regierungsvertreter nach Hahn und Faymann, dass er für sein Amt nicht geeignet und hochgradig überfordert ist. Anstelle von Problemlösungskompetenz tritt die Beschimpfung der Betroffenen.

ÖVP-Chef Josef Pröll geht indes zum Angriff auf die Studenten über, die den größten Hörsaal der Universität Wien seit über zwei Wochen besetzt halten, um für bessere Studienbedingungen zu protestieren. “Ich werde nicht zulassen, dass lautstarke Gruppen versuchen, die Politik, das Land und die Steuerzahler in Geiselhaft zu nehmen”, sagte der Finanzminister der Tageszeitung “Österreich”.
Audimax-Besetzer kündigen Volksbegehren an
, 07.11.2009 | 19:31 |   (DiePresse.com)

Beschränkung!

Samstag, 07. November 2009

Das heutige Einserkastl von RAU mit dem Titel “Beschränkte Lösungen” ist so treffend, dass ich es hier zitieren muss:

… in Österreich wählt man mit Vorliebe die beschränkte, die repressive, die defensive Problem- “Lösung”. Erfreulich viele wollen studieren? Beschränkung! (Statt einer massiven Aufstockung der Mittel zugleich mit vernünftigen Lenkungsmaßnahmen.) Ein Unternehmen findet nicht genügend Abnehmer für seine Produkte? Sparen! Kürzen! Abschlanken! (Statt nach neuen Einnahmen Ausschau zu halten.) Beliebt ist auch das Strengsein. … Der Erst-Reflex der österreichischen Gesellschaft ist immer: Kleiner machen. Zusammendrücken. Engstellen. An Schräubchen drehen. Ja nicht kreativ sein und eine neue Lösung suchen. (rau, DER STANDARD-Printausgabe, 7./8. November 2009)

Natürlich denken wir bei Beschränkung! vorerst an die Studentenproteste. Mir fällt aber dazu auch etwas anderes ein: Wenn an einer Schule ein Wahlzweig besonderen Erfolg hat, dann wird nicht die Leistung der betroffenen Lehrer anerkannt, nein, es wird gedroht, dass man die Wahl dieses Zweiges beschränken wird. Und wenn dann die betroffenen Lehrkräfte eine neue kreative Lösung finden, dann wird mit dem Slogan back to the roots und einer Portion Altersstarrsinn versucht, SchülerInnen heutzutage für die Wirtschaft der 1970er auszubilden. Schon möglich, dass jene Verantwortlichen früher selbst den Ausbildungszweig Informationstechnologie favorisiert haben, dabei aber offenbar gescheitert sind und jetzt behaupten, dass die Zeit der IT in der Wirtschaft schon wieder vorbei sei. Geradezu lächerlich in einer Zeit, in der die protestierenden Student/innen zeigen, welche Rolle der IT im Bereich der Selbstorganisation zukommt.

Das führt mich wieder zu den StudentInnen. Die Art und das Niveau der Selbstorganisation der StudentInnen macht Hoffnung, dass nach der Pensionierung der jetzigen Entscheidungsträger (nicht nur im Bereich der Bildungspolitik) eine Wende zum Besseren möglich wird. Es ist höchste Zeit für eine Änderung der Entscheidungsmentalität.

Einige Aspekte der StudentInnen-Proteste

Montag, 02. November 2009

In meinem letzten Beitrag über die UNI-Proteste “Studierende wollen Politik ” hab ich nur sehr kurz Stellung bezogen. Für eine ausführliche Argumentation konnte ich mir nicht Zeit nehmen. Mittlerweile bin ich besser informiert und habe einen besseren Einblick.

Die Forderungen

Anfangs erschienen mir die Forderungen der Studierenden etwas unklar, inzwischen hat sich der Arbeitskreis Forderungen auf eine klare Strukturierung der Forderungen geeinigt.

Offener Zugang zu den Universitäten, keine Zugangsbeschränkung.

Die Argumente sind bekannt: Österreich liegt bezüglich Akademikeranteil weit hinten. Aufholen kann man nicht mit Hilfe von Zugangs-Beschränkungen, sondern mit der Ausweitung des Angebots bei höheren StudentInnen-Zahlen. Das “Problem” der deutschen StudentInnen muss anders gelöst werden. Vielleicht könnte man es auch als Chance sehen: Viele dieser Leute bleiben vielleicht in Österreich und werden zu unserem Wohlstand beitragen.

“Nach 10 Jahren völlig verfehlter Bildungspolitik seitens der ÖVP und Vogel-Strauß-Politik der SPÖ wacht diese nun auf und begeht genau dieselben fatalen Fehler”, erzürnt sich Maurer.

“Österreich hat nach wie vor zu wenige Studierende – nicht zu viele”, erklärt ÖH-Generalsekretärin Eva Maltschnig. “Wir liegen bei den StudienanfängerInnen 15 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt”, so Maltschnig.

(aus: unsereuni.at)

Das größere Problem sind ja nicht die Studienbeginner, sondern die (angeblich) vielen Studienabbrecher. Hier muss man eine Lösung suchen, die nicht bei Zugangsbeschränkungen ansetzt. Das müßte sich doch machen lassen.

Keine Studiengebühren

Das einzig vernünftige Argument für Studiengebühren scheint, dass die Nicht-Akademiker das Studium von reichen Akademikerkindern durch Steuergelder finanzieren müssen. Das Argument ist fehlerhaft: Die Menge der Studierenden kommt aus Mittelschicht-Familien, bei denen die Unterstützung ihrer Kinder das Familienbudget spürbar belastet. Studiengebühren verschärfen dieses Problem. Das Steueraufkommen in Österreich wird von der Mittelschicht getragen, Niedrigverdiener/innen sind zahlen gar keine Einkommensssteuer.

Die Einführung der Studiengebühren hat am Problem der Unterfinanzierung der Universitäten nichts Wesentliches geändert. Sie waren nur ein Teilersatz für die von der Regierung gekürzten UNI-Mittel.

Erhöhung der Ausgaben für den terziären Bildungssektor

Wenn es mehr Studierende gibt, braucht es mehr Lehrveranstaltungen und mehr Lehrende. Klar kostet das mehr. Volkswirtschaftlich sollte sich Investition in Bildung in einer Wissensgesellschaft langristig rechnen.

Die Organisation

Bewundernswert ist die Fähigkeit der Studierenden zur Organisation. Einzelpersonen bilden thematische Gruppen und arbeiten ohne ideologische und parteipolitische Akzente zusammen. Sie sind bereit zur (Selbst-)Kritik und Überarbeitung von Standpunkten. Dutzende Arbeitsgruppen nutzen die Kreativität, Interessen und Fähigkeiten der Teilnehmenden: Kochen, Putzen, Webdesign, Pressearbeit, Abendprogramm, Vorlesungsprogramm, Vernetzung, Technik, Forderungen, etc. werden auf diese Weise organisiert.

Längst wird es auch in Medienberichten anerkannt: Die Student/innen lernen bei diesen Protesten mehr als in einem Vorlesungs-Semester. Sie qualifizieren sich hier für höhere Positionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und lassen auf eine neue Generation hoffen.

Erfreulich und bemerkenswert ist, dass die Studierenden moralisch und praktisch von Vertreter/innen der Zivilgesellschaft unterstützt werden: Ich erwähne hier einen Vortrag von Robert Menasse, die Premiere der Vienale (Bock 4 President) oder das Coaching des Presse-Teams durch Experte/innen. Das tut den Student/innen seelisch gut und biete Zeitgestaltung auf hohem Niveau.

Schade, dass ich nicht in Wien lebe, ich könnte darüber nachdenken, wie ich die Studierenden unterstützen könnte.

Die Rezeption in den Medien

Der Protest wurde anfangs nicht ernst genommen, weil für die Medien sowieso klar war, dass die Bedingungen an den Universitäten seit Jahren katastrophal sind und die Bereitschaft bzw. Fähigkeit der Regierung, daran etwas zu ändern auch bisher nicht vorhanden ist.

Neben einigen wirklich kindischen Kommentaren (die Presse) werden die Anliegen der Studierenden von Tag zu Tag positiver gesehen. Sehr deutlich wird das in sehr ausführlichen Berichten unter anderem im aktuellen Profil sichtbar.

Das andere Politikverständnis und die nicht adäquate Reaktion der Regierung

Zuerst einmal ist bemerkenswert, dass sich die Studierenden unabhängig von ihrer eigentlichen Interessensvertretung ÖH organisiert haben und dass die ÖH rasch verstanden hat, das zu akzeptieren. Das ist ein ganz wesentliches Merkmal dieser Protestbewegung. Je länger diese Proteste andauern, umso nervöser werden andere Interessensvertretungen werden: Auch der Gewerkschaft könnte ähnliches bevorstehen, wenn Mitglieder nicht mehr ausreichend das Gefühl der Interessensvertretung haben. Die Kindergärtner/innen haben ja bereits zur Selbsthilfe gegriffen, übrigens auch ein Bereich des Bildungssektors.

Die Studierenden machen auf eine neue Art Politik: nicht unter der Governanz politischer Parteien, die ihre studentischen Funktionäre im Griff hat. Die Student/innen organisieren sich dezentral und vernetzen sich, wechseln sich ab und teilen ihre Funktionen in den Gruppen. Dadurch treten persönliche politische Eitelkeiten in den Hintergrund und es kann rasch und pragmatisch reagiert werden. Ich gehe davon aus, dass nach diesen Studentenprotesten Politik in Österreich anders gemacht wird.

Die Regierung hat diese Art der Politik noch nicht verstanden und hofft noch, die Besetzung aussitzen zu können. Das wird nicht gelingen. So wie die Studierenden jetzt organisiert sind, können sie noch monatelang weitermachen, ohne gleichzeitig ihr Studium zu vernachlässigen. Denn seit dieser Woche wird gleichzeitig “besetzt und studiert“.

Der Regierung kann man nur empfehlen: bedingungslos auf gleicher Augenhöhe mit den Student/innen ins Gespräch zu kommen, zuzuhören, Argumente und Vorschläge der Studierenden aufzugreifen um die UNI-Probleme gemeinsam wirklich lösen zu können. Das Wiederholen bisheriger “Lösungs”konzepte (Faymann: Zugangsbeschränkung, Hahn: Studiengebühren) ist nicht angebracht, sie haben die Lösung der Probleme nur hinausgeschoben.

Die Bedingungen für eine nachhaltige Verbesserung der Situation an den Universitäten könnten nicht besser sein, da die Studierenden durch ihre Art der Politik die Patt-Situation zwischen den Parteiblöcken aufzulösen helfen. Dass die Universitäten budgetär anders dotiert werden müssen, steht allerdings außer Zweifel. Es müßte doch gelingen, die Bildungsbudgets auf europäisches Niveau zu heben.

Studierende wollen Politik

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Studierende wollen Politik
Zugeständnisse abringen

Die Überschrift in der heutigen SN stellt unbeabsichtigt (1. Zeile) dar, dass die aktuellen StudentInnen-Proteste in einem größeren politischen Zusammenhang stehen: Es ist ein Protest gegen die unglaubliche Unfähigkeit unserer Regierung in allen Politikbereichen.

Studierende wollen Politik. Sie wollen, dass endlich einmal die Probleme (nicht nur) der Universitäten von der Politik wahrgenommen, analysiert und behoben werden. Neben den UNI-Missständen geht es dabei auch um andere gesellschaftliche Themen: prekäre Arbeitsverhältnisse (nicht nur an Universitäten), Bildungspolitik insgesamt, Sozialpolitik.

Ob die von den Studierenden gewünschte Solidiarisierung anderer gesellschaftlicher Gruppen erreicht werden kann, ist unwahrscheinlich. Vielleicht gelingt das nächstes Mal.

Trotzdem: Endlich steht jemand auf und fordert Politik ein. Und das ist gut so.

Foto: derStandard. Proteste im Audimax

Proteste im Audimax (Quelle: derStandard)

Zentralmatura: 30 Jahre zurück!

Donnerstag, 08. Oktober 2009

Über das Regierungsvorhaben Zentralmatura hab ich bereits mehrere Artikel verfasst. Nicht dass ich gegen die Idee einer zentralen Qualitätskontrolle etwas hätte, es fehlt mir aber die professionelle Herangehensweise. In Freiraum und Individualität habe ich auf das Problem der veränderten Fragestellungen hingewiesen, die sich durch den Einsatz von Computer-Algebrasystemen ergeben. Der Einsatz dieser Systeme ist im Lehrplan verbindlich vorgeschrieben.

An unserer Schule verwenden wir drei verschiedene Computer-Algebra-Systeme (CAS). Die Fragestellungen zu den einzelnen Themen sind von der Wahl des Systems abhängig, da jedes CAS andere Stärken und Schwächen hat. Ich bin schon neugierig, was da zentral vorgegeben wird. Möglicherweise heißt das zurück an den Start: zu einem Mathematik-Unterricht wie vor 30 Jahren, der hauptsächlich als sinnloses Auslesefach erlebt wird. (aus: Freiraum und Individualität)

Jetzt ist es soweit: Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis die Bundes- und Landesbehörden den Schwachpunkt erkannt haben. Die Vorgabe an uns Lehrkräfte heißt jetzt (inoffiziell): Bitte nicht mehr so viel Computer in Mathematik einsetzen, zumindest nicht bei der Matura. Die Begründung ist die Zentralmatura!

Das lassen wir uns jetzt auf der Zunge zergehen: Weil der Einsatz moderner Mittel im Mathematik-Unterricht (noch) nicht vereinheitlicht ist, die Zentralmatura aber eine einheitliche Fragestellung vorsieht, sollen wir den Computereinsatz wieder beenden (was sonst?). Das heißt aber wieder zurück an den Start – zu einem Mathematik-Unterricht wie vor 30 Jahren!

Neugierig bin ich jetzt, wie lange die Behörden brauchen, die nächste Hürde zu erkennen: Der Einsatz von Algebra-fähigen Taschenrechner. Auch hier sind die Systeme und damit die sich ergebenden Einsatzgebiete und Fragestellungen zu unterschiedlich für die angepeilte Standardisierung. Ich erwarte (befürchte) folgende Regelung: Bei der Matura darf nur ein einfacher Taschenrechner ohne Algebra- und Grafikfähigkeit verwendet werden. Wie in manchen Fächern an den Universitäten.

Um es kurz festzuhalten: Die im Unterricht eingesetzten Technik bestimmt die Fragestellungen. Wer Mathematik ohne technische Hilfsmittel prüfen will, muss Unterricht ohne technische Hilfsmittel machen. Unterricht mit und ohne Technik-Einsatz nebeneinander auf sinnvollem Niveau geht schon aus zeitlichen Gründen nicht.

Eine einfache Vermutung, warum die Entwicklung zurück geht: Die handelnden Personen (Ministerium, Landesschulrat, Direktoren) sind alle bereits in einem fortgeschrittenen Alter und haben daher einen Mathematik-Unterricht ohne Taschenrechner und Computer erlebt (so wie ich). Nur diesen Unterricht kennen sie und von aktuellem Mathematik-Unterricht haben sie überhaupt keine Ahnung. Aber leider können sie von oben herab entscheiden. Die Mathematik-Lehrer/innen, die technisch auf der Höhe der Zeit sind, werden möglicherweise nicht in die Problemlösung/Entscheidung einbezogen.

Meine bisherigen Artikel zum Thema Zentralmatura