Netbooks für Overheadexperten: selten so einen Blödsinn gelesen

24. März 2009

Diesmal möchte ich einen durchaus repräsentativen Artikel im Standard mit den Postings kommentieren.

Netbooks für Overheadexperten (Rainer Schüller, derstandard, 20.3.2009)

Was die Ausstattung der Schulen mit Computern betrifft, herrschen in Österreich dramatische Umstände. Eine viel zu hohe Anzahl an Lehrern beherrscht die Computersprache schon mangels Hardware nicht genügend und ist noch weniger dazu in der Lage, sie zu lehren.

Im Gegensatz dazu beginnen Kinder immer früher sich mit Computern zu beschäftigen. Sie erlernen eine Sprache im Selbststudium. Das Problem dabei: Sie befolgen keine einheitliche “Grammatik”, die ihnen vorgibt, was richtig und was falsch ist. Diese Computer-Alphabetisierung müsste in der Schule stattfinden. Findet sie jedoch (noch) nicht ausreichend.
(Rainer Schüller im Standard)

Abgesehen davon, was der Autor unter Computersprache versteht bleibt völlig unklar, was die Kinder da lernen und was Computer-Alphabetisierung ist. Der Artikel krankt an einer differenzierten Sicht der Dinge. Von welchem Schultyp schreibt der Autor? Da wird es wohl Unterschiede im Computereinsatz geben (dürfen). An meiner Schule gibt es bereits über 25 Jahre Computer und es werden neben den Grundkenntnissen des Betriebssystems die MS-Office-Produkte sehr detailliert unterrichtet. Als Wahlpflicht (Ausbildungsschwerpunkt) wählen 3/4 der SchülerInnen seit 8 Jahren Multimedia/Webdesign (mit und ohne Softwareentwicklung) und lernen dort Script- und Programmiersprachen, Bild-, Video- und Audiobearbeitung sowie Multimedia-Publishing (derzeit Flash).

orangenpresse postet laptop in der klasse:

das wär ja überhaupt die idee des jahrhunderts. wir installieren in allen klassen beamer und pc´s starten das programm.unterricht erste klasse erstes semester tag dreizehn stunde zwei_videovortrag prof dr festplatte _die berechnugen am zylinder grundfläche mantel und volumen erklärung und beispiele.ppt

An unserer Schule gibt es in fast allen Klassen Lehrer-PC mit Beamer, allerdings sind wir damit immer noch die Lehrer, die unterrichten. Keine Angst: der Maschinen-gesteuerte Programm-Unterricht ist schon vor Jahrzehnten gescheitert.

orangenpresse schreibt weiter:

aber mathematik kommt als winkelfunkelfunktion.ppt halt nicht halb so sinnvoll rüber wie mit kreide und tafel. den unterricht mit laptop und beamer zu gestalten ist zwar eine gute idee, aber 1) woher kommen die beamer? 2) wie lange dauert die inbetriebnahme von laptop, beamer, lautsprecher kombination in der klasse?

So daneben kann man also liegen. Ich unterrichte Mathematik seit etwa 20 Jahren am Computer mit Beamer, die SchülerInnen am PC, seit neuestem mit Schüler-Laptops. Klarerweise finden auch Schularbeiten und Matura am PC statt. Aber nicht mit Powerpoint, sondern mit hervorragender Algebra-Software. Da kann man visualisieren, experimentieren, nachvollziehen und entwickeln. Da vergisst du Kreide und Tafel.

Beispiele für webbasierende Visualisierungen sind auf meiner Mathematik-Seite zu finden, etwa zur Entwicklung von Taylor-Polynomen (Anwendung der Differentialrechnung). Sollte orangenpresse Mathematik-Lehrer(in) sein, kann ich nur dringend Weiterentwicklung empfehlen, ansonsten empfehle ich ihr, nicht über was reden, was sie nicht versteht. Oder die eigene Erfahrung nicht zu verallgemeinern.

Erfrischend dagegen kretin in Das gibt’s doch gar nicht…

Liebe Standard-Redaktion. Ich würde bei Ihnen gerne einen Kommentar über Kernphysik, Zwölftonmusik oder Althebräisch veröffentlichen, weil von allen diesen Dingen habe ich so gut wie keine Ahnung. Aber ich bin stolz auf meine Ahnungslosigkeit und würde sie gern vor einer breiteren Leserschaft entblöden.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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