08. März 2010
Oliver Sacks ist für einige Bücher über Musik und neurologische Probleme bekannt. Er ist Dozent für Literatur und Neurologie. In “Der einarmige Pianist” beschreibt er Menschen, für die Musik nach Hirnverletzung eine besondere Bedeutung erhielt.
Erschütternd und faszinierend, unvorstellbar jedenfalls, beispielsweise die Geschichte des Musikers und Musikwissenschafters Clive nach einer Gehirnkrankheit 1985: Sein Gedächtnis hält nur mehr ein paar Sekunden. Er erlebt fast jeden Augenblick neu, wie vom Koma erwacht und kann sich an nichts erinnern und keinen neuen Erinnerungsstrom aufbauen. Er wundert sich über seine täglichen Tagebucheinträge wie “diesmal endlich wach“, “richtig wach“, “vollständig wach“, “bei Bewusstsein“. Aber er kennt seine Frau und kann alltägliche Tätigkeiten verrichten. Verblüffend ist, dass er seine musikalischen Fähigkeiten erhalten hat. Er kann seinen Chor leiten(!), Klavier- und Orgelstücke auswendig oder vom Blatt nach Noten spielen oder neu einstudieren. Seine künstlerische Qualität ist vollständig erhalten geblieben. Aber lediglich bei der Ausübung von Musik kann er Zeit über eine längere Dauer erleben. Hört er mit dem Musizieren auf, fällt er aus Raum und Zeit wieder heraus und erlebt jeden Augenblick als neu, ohne Verbindung zu Vergangenheit oder Zukunft.
Oliver Sacks, Der einarmige Pianist. Über Musik und das Gehirn. rowohlt, 2008.
Tags: Erinnerung, Gedächtnis, Gehirn, Musik, Wahrnehmung
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07. März 2010
Zwei Themen dieser Woche haben mich beschäftigt. Sie spielen in der gleichen Zeit, den späten 60er und frühen 70er Jahren.
Die aktuellen Berichte über sexuellen Missbrauch in katholischen Schulen in Deutschland sind erschütternd. Es wird von systematischen sexuellen Vergehen berichtet, quasi bestellt nach Stundenplan, vermischt mit autoritärer körperlicher Gewalt. Unsagbar widerlich. Ich erinnere mich an meine eigene Zeit 1969-1973 als 10-14-Jähriger in einem katholischen Internat. Glücklicherweise war das, was uns Buben damals komisch vorkam, weit diesseits der Grenzen.
Die Bundespräsidentschafts-Kandidatin Barbara Rosenkranz von der FPÖ hat Probleme, sich vom Nationalsozialismus zu distanzieren. Sie argumentiert mit ihrer mangelnden schulischen Bildung in den 60er und 70er Jahren. Das führt mich wieder ins Internat, zum Geschichte-Unterricht. Ich reflektiere mein eigenes historisches Lernen:
Inhaltlich sind wir (1973) bis zu Besuch Nixons in China 1972 gekommen. Als Präfekt eines Internatsjahrgangs las uns der Geschichtelehrer täglich – in Fortsetzung – aus historischen Büchern vor, ich erinnere mich an einen Roman über die französische Revolution. Jährlich zum Nationalfeiertag hielt er als Historiker des Stifts eine Rede, die die politischen Verwerfungen in Europa seit und nach dem Faschismus zum Inhalt hatte. Die Plädoyers für Freiheit und Demokratie standen in Zusammenhang mit dem Engagement für ein befreundetes Kloster in Polen und haben mich zutiefst bewegt.
Wir haben im Unterricht auch etwas über den Nationalsozialismus gelernt, wenn auch nicht so ausführlich, wie das heute der Fall ist. Meine Erinnerung daran ist überlagert von meiner späteren Auseinandersetzung mit dieser Thematik. Ich durfte Zeitzeugen kennen lernen, beispielsweise Freya von Moltke in Berlin bei einem Seminar über den Widerstand im Nationalsozialismus. Sie war mit ihrem Mann Helmuth James Graf von Moltke (1907-1945), der 1945 hingerichtet wurde, im Widerstand gegen Hitler.
Seit ich im Mühlviertel lebe (1986), besuche ich mit meiner Familie die jährliche Befreiungsfeier im ehemaligen KZ Mauthausen. Ich habe in Israel die Gedenkstätte Yad Vashem besucht und viele Bücher gelesen.
Wir haben die Freiheit, dazu zu lernen. Es gibt keinen Grund, sich auf das Schulwissen der 60er-Jahre auszureden, wenn es um die Frage der Einstellung zum Nazionalsozialismus geht. Wenn das eine Bundespräsidentschafts-Kandidatin trotzdem macht, drückt sie damit aus, dass sie entweder einfältig ist und/oder mit dem Nazionalsozialismus sympathisiert. Unsagbar widerlich.

Befreiungsfeier in Mauthausen, Mai 2009
Tags: Faschismus, Gedenken, Missbrauch, Nazionalsozialismus, Politik, Wahlen
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23. Februar 2010
Immer wenn es in den Medien um den Schauspieler Hans Moser geht, steigen die Zugriffszahlen von standpunkte.at. Die Suchmaschinen zeigen Artikel von mir unter den Suchbegriffen Hans Moser und Franzobel, Hans Moser Franzobel, Franzobel Moser, Hans Moser in der Nazi-Zeit. Weil ich vor einiger Zeit einen Beitrag zum aktuellen Theaterstück von Franzobel geschrieben habe.
Übrigens manipuliert auch dieser Artikel die Suchmaschinen: Denn die oben angegebenen Suchbegriffe kommen somit wieder auf standpunkte.at vor und bewerten daher diese Domäne (etwas) besser. Leider hilft diese Seite aber jenen, die danach suchen, nicht wirklich weiter. Eigentlich schade.
Am häufigeren Zugriff meines Beitrages Das Kreuz mit dem Kreuz merkt man, dass jetzt Fastenzeit ist. Die Zugriffe über Suchbegriffe wie kokoschka kreuz, mich dürstet nach reinem wasser, bettina rheims christus, betet einen esel an und andere nehmen entsprechend zu. Außerdem liegt dieser Artikel unangefochten an der Spitze der Zugriffe. Leider weiß ich nicht, ob Das Kreuz mit dem Kreuz für die Suchenden brauchbar oder wenigstens interessant ist. Ich denke schon.
Der allgemeine Bildungsstand bezüglich Prozentrechnen ist noch nicht gestiegen. Nach wie vor suchen Leute nach 10% von Hundert oder nach 5% von Hundert. Am zweithäufigsten gelesen. Macht nichts, die Erklärungen sind immer noch da.
Verdächtig gut – also oft gelesen – ist Wie schmecken Windkraftanlagen? Dieser relativ junge Artikel liegt bereits an 8. Stelle und wird sicher noch weiter nach vorne rücken.
Eingetreten ist, was ich beim Einfügen der Rubrik meistgelesen – augenzwinkernd – befürchtet habe: Wer hat, dem wird gegeben. Häufig gelesene Artikel werden noch häufiger gelesen und als (sozialen) Ausgleich habe ich dafür die Zufallsartikel eingefügt. Ein schönes Nebeneinander von Hierarchie und Gleichmacherei.
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23. Februar 2010
Drei Jahre Besuch der Art Innsbruck: Klarerweise ein großer Anteil gleicher Galerien, an manche Werke erinnere ich mich. Es gibt hauptsächlich Malerei, etwas Fotografie, ein bisschen Skulptur, nichts Experimentelles.
Die Ausstellung ist trotzdem anregend, die Anzahl der für mich interessanten Bilder/Objekte nimmt allerdings von Jahr zu Jahr ab. Ich sehe das in Zusammenhang mit meiner wachsenden Erfahrung mit Malerei: Oberflächliches erkenne ich besser, ich entwickle eine genauere Vorstellung von guter bzw. interessanter Malerei. Die Verbindung zeichnerischer und grafischer Elemente mit Acrylmalerei scheint mir eine gute Richtung zu sein. Einzelne Gespräche mit KünstlerInnen über ihre Werke, ihren Stil, ihre Arbeitsweise helfen mir bei der Einschätzung der eigenen künstlerischen Arbeit.
Besonders interessiert haben mich diesmal auch die Preise bzw. die verschiedenen Preiskategorien nach KünstlerInnen und Galerie. Aber darüber schreibe ich jetzt nichts, außer dass ich meine Preise nach oben anpassen und eine Galerie finden muss.
Tags: Acryl, Kunst
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