Zeitbasierte Landschaft – timebased landscape

15. Mai 2012

Mein Video-Panorama-Projekt hat einen Namen und ein Konzept: Zeitbasierte Landschaft – Timebased Landscape.

Ich filme eine Landschaft im Vorbeifahren/-gehen und füge anschließend die mittleren vertikalen Streifen jedes einzelnen Frames zu einem Bild aneinander. Es entsteht dadurch das Bild einer Landschaft, deren einzelne Abschnitte zeitlich nacheinander aufgenommen wurden. Die Landschaft wird sozusagen zeitlich aufgerollt. Längere Videoaufnahmen erzeugen breite Bilder.

Ob diese konstruierten zeitbasierten Landschaften nun für mich bzw. Betrachter/innen “funktionieren”, hängt von mehreren Parametern ab: Am Wichtigsten ist die ruhige und gleichmäßige Fortbewegung. Holpriges Fahren bzw. Gehen bewirkt zu unruhige Wellenlinien, die eine Wahrnehmung erkennbarer Landschaft stört und eher als Gag oder Klamauk empfunden wird. Daher sind viele meiner Aufnahmen im Zug oder Bus entstanden. Als nächstes wirkt sich die Fortbwegungsgeschwindigkeit entsprechend aus. Bei höheren Geschwindigkeiten gibt es zu wenige vertikale Bildstreifen, aus denen sich eine sinnvolle Landschaft zusammensetzen lässt. Die Landschaft wirkt horizontal zu sehr gestaucht, Häuser und Objekte sind zu schmal und zu plakativ unrealistisch.

Nachdem die relative Geschwindigkeit der Fortbewegung mit der Entfernung der Objekte zusammen hängt, spielt die räumliche Tiefe der Landschaft eine weitere wichtige Rolle. Objekte im Vordergrund fliegen schnell vorbei und sind daher stark verkürzt und entsprechend unscharf oder nur angedeutet, Objekte in weiterer Ferne bleiben lange im Bild und werden breiter dargestellt. Je nach räumlicher Tiefe bzw. Lage der Objekt im Raum ist eine unterschiedliche Geschwindigkeit für die Aufnahmen optimal. Objekte im Vorder- und Hintergrunde können nicht gleichzeitig realistisch dargestellt werden. Beachtenswert sind Ergebnisse bei der Aufnahme bewegten Objekten, bei denen sich die Geschwindigkeit während der Aufnahme verändert.

Die Bilder können bei entsprechender Parameter-Konstellation auf den ersten Blick realistisch wirken, haben aber trotzdem einen surrealen Charakter. Dieser entsteht durch die Aneinanderreihung von Bildstreifen, die parallel zur Aufnahmerichtung liegen. Das gesamte Bild hat daher kein Zentrum (Betrachterstandpunkt) und widerspricht daher unserer herkömmlichen Wahrnehmungssituation. Beim Verlauf von horizontalen Motiven (beispielsweise Bahngleise) entsteht sogar der Eindruck von Draufsicht im Vordergrund, die gleitend in die Frontalansicht im Mittel- und Hintergrund übergeht.

Absicht und Wirkung der Bilder aus der Serie “Zeitbasierte Landschaft” sind mehrfach: Einerseits interessiert mich die Konstruktion von Landschaftsbildern mit Hilfe einer bestimmten Technik, andererseits die Reflexion der Wahrnehmung von Zeit und Raum. Umgekehrt können anhand der Bilder manche Rahmenbedingungen der Aufnahme (Struktur und Verlauf der Landschaft, räumlichen Tiefe, Geschwindigkeit) gedanklich rekonstruiert werden.

Jeweils drei Bilder einer Zeile bilden eine zusammengehörige Landschaftsserie. Die Bildqualität ist grundsätzlich auf eine Höhe von knapp 2000 Pixel ausgerichtet. Durch die Aneinanderreihung schmaler vertikaler Pixelsteifen entsteht allerdings eine entsprechende Verpixelung. Das Projekt ist übrigens mit MaxMspJitter realisiert.

Irgendwas ist da neulich mit meiner Wahrnehmung passiert…

22. Oktober 2011

Kunst.Messe.Linz 2011

22. Oktober 2011

Die Landesgalerie Linz lädt  alljährlich die wichtigsten oö. Galerien zu aktuellen künstlerischen Statements ein. Ein guter Überblick und ein guter Treffpunkt.

Fototagebuch: verhüllte Ausblicke

22. Oktober 2011

So schauts aus. Baustelle wegen Vollwärmeschutz. Ausblicke aus den Fenstern.

 

Panorama

14. Oktober 2011

Ein weiteres Beispiel meines Panorama-Projekts. Mit brauchbarer Auflösung durch Verwendung einer HD-Videokamera.

Johann Moser, relative Geschwindigkeit, 2011

Mehrere Aspekte finde ich interessant:

  • Der Großteil des Bildes besteht aus wenigen blauen Farbtönen. Durch die horizontalen Streifen wirkt es sehr ruhig.
  • Die sichtbaren Bewegungen laufen von rechts nach links parallel zum Bildrand, die Fahrzeuge spiegeln sich.
  • Das rechte Fahrzeug ist einfärbig hell und von den Proportionen einigermaßen echt. Der Bus wirkt leicht gestaucht und ist in seiner Buntheit und Größe ein Blickfang im Bild. Die weiteren linken Fahrzeuge sind deutlich verzerrter und erhalten einen surrealen Charakter insbesondere durch den Kontrast mit der roten Person links, die in realistischer Proportion erscheint und aus dem Blickfeld schreitet.
  • Der Regenschirm legitimiert die Spiegelungen der anderen Objekte im Bild.

Das Bild ist weder Fotografie, noch Video oder Malerei. Es ist aus einem Video durch spezielle Programmierung entstanden. Format etwa 1:10, ca 15X150cm.