Über das Schreiben

07. Februar 2010

Keine Angst, ich werde kein Schriftsteller. Ich lese gerade ein Buch über das Schreiben. Ich lese es mit Vergnügen und habe vor, es in anderem Zusammenhang umzusetzen: in meiner Fotografie und Medienkunst. Wie, weiß ich noch nicht.

Stephen King*  schreibt lebendig, humorvoll und verständlich über die wesentlichen Werkzeuge des Schreibens. Manche Blickwinkel kenne ich noch nicht (etwa welche grammatikalischen Konstruktionen man vermeiden soll), manche bestätigen meine eigenen Erfahrungen mit dem Schreiben: dass die passive Form (tendenziell) schwach, unsicher und umständlich wirkt, dass man komplizierte Konstruktionen in mehrere Gedanken zerlegen soll, dass Überflüssiges überflüssig ist. Wie Absätze rhythmische Struktur und Tempo bilden.

Mit Stephen King reflektiere ich geschriebene Sprache neu. Und meine verschiedenen Texte werde ich (noch!) klarer formulieren können: meine Beiträge hier auf standpunkte.at, meine Unterrichtsunterlagen, (kommunal)politische Texte, die Beschreibung meiner Kunstprojekte.

* stephenking

Eine Karikatur christlichen Glaubens

07. Februar 2010

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, manche Vorgänge in der katholischen Kirche nicht mehr zu kommentieren. Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen. Aber es muss raus: Der Glaube, dass das Erdbeben in Haiti eine Strafe Gottes für den Voodoo-Kult sei, ist einfach zu lächerlich. Eine Karikatur des christlichen Glaubens. Und dieser kleingläubige Amtsträger missachtet hier ganz bewusst in der Hybris der Frommen das zweite Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich bereits über die theologische Einfalt dieses Möchtegern-Bischofs geschrieben:

… dann kann ich auch getrost jeden theologischen Unsinn verzapfen, kann ich ein Unglück als Strafe Gottes deuten ohne dabei rot zu werden, ohne mich zu schämen …
in: Über das Abprallen von Kritik

Diese kleingläubige Haltung mag magischem und esoterischem Denken entsprechen, will Angst vor Strafe machen, aber christlich ist sie nicht. Auch mit dem Alten Testament des Judentums kann man diese Haltung nicht rechtfertigen. Dazu die Erinnerung an zwei alttestamentarische Geschichten:

Der Prophet Jona ärgert sich, dass Jahwe die Stadt Ninive nicht zerstören will, wenn zumindest eine Handvoll “Gerechter” zu finden sei. Die wird’s wohl auch – sogar nach Meinung von G.M.Wagner – in Haiti geben!

Das Buch Hiob entlarvt die Vorstellung der frommen Freunde Hiobs von einem Gott, der Hiob für irgendwas bestraft.

Halten wir fest: Die Rede von der Strafe Gottes ist in jüdisch-christlicher Tradition seit Jahrtausenden (!) theologischer Schwachsinn. Kirchenleute, die so denken (und reden) vertreten keine orthodoxe Lehrmeinung, sondern einen magischen Aberglauben.
in: Infantiler Glaube

Amtsträger wie der Genannte sollten eigentlich längst abtreten: Ich versteh’s nicht besser, aber ich stehe einer glaubwürdigen Kirche nicht länger im Weg. Das wär doch was.

Links

Stillleben im Wintergarten

06. Februar 2010

Es ist still im Garten.
Der Schnee rutscht vom Tisch.
Die Stühle warten.
Im Teich lebt kein Fisch.

Stillleben im Wintergarten

Stillleben im Wintergarten, Februar 2010

Wanderbücher | öffentliches Bücherregal

05. Februar 2010

1984, etwa am Ende meines Studiums startete ich meine Aktion Wanderbücher. BesucherInnen konnten in einer Bücherkiste auswählen und Bücher (gratis) mitnehmen mit der Bitte, sie selbst dann ihren BesucherInnen ebenso wieder zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise sollten Bücher zirkulieren und wandern.

Das Konzept hat nicht funktionert, der starre Eigentumsbegriff unserer Kultur war im Weg. Anstatt die Bücher weiter zu geben, wurden sie mir wieder zurück gebracht (obwohl ich mich nicht mehr als Eigentümer fühlte).

Ein Bericht in der aktuellen Presse hat mir zur Kenntnis gebracht, dass es ähnliche Projekte mit Bücherregalen im öffentlichen Raum in verschiedenen Städten gibt. Im 7. Bezirk steht seit kurzem Wiens erster „Offener Bücherschrank“. Diese Projekte haben eine größere Chance, weil die Bücher keinem Eigentümer mehr zugeordnet sind und ein größeres Publikum ansprechen können.

Ich werde den Bücherschrank bei meinem nächsten Wienbesuch besuchen.

Selbstportrait im Schaufenster

28. Januar 2010
Selbstportrait mit Shopping, Freistadt, Jänner 2010

Selbstportrait mit Shopping, Freistadt, Jänner 2010

Meine Serie von gespiegelten Selbstportraits in Schaufenstern wächst weiter. Ich suche mir jene Schaufenster aus, deren Inhalte für mich grafisch bzw. fotografisch interessant wirken. In diesem Beispiel gefällt mir die Spannung zwischen dem Blickfang der nackten aber gestalteten Schaufensterpuppe und der subtilen Spiegelung eines Fahrrades vom Schaufenster gegenüber und von mir.