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Windkraftanlagen im Wald?

Montag, 22. Februar 2010

Günter Ratzbor, Leiter der Deutschen Naturschutz Ring Kampagne “Umwelt- und naturverträgliche Nutzung der Windenergie in Deutschland” berichtete am 9. Windsymposium der IG-Windkraft (19.2.2010) über die Erfahrungen mit der Windkraft in Waldgebieten.

Ich binde die beiden Videos über seinen Vortrag hier ein. Sein Vortrag fügt sich nahtlos an meinen Beitrag Wie schmecken Windkraftanlagen? Darin ging´s darum, dass der Geschmack (gefällt mir nicht) kein Kriterium ist. Angst brauchen wir, wenn wir sie schon haben wollen, nicht vor den Windkraftanlagen haben, sondern davor, dass wir nicht rechtzeitig genug auf Windenergie und andere erneuerbare Energieträger setzen.

Das Ritual der Gipfeltreffen

Samstag, 19. Dezember 2009

Wozu brauchen wir eigentlich dieses Ritual um Gipfelkonferenzen? Wie nicht anders zu erwarten, wird tagelang am Scheitern der Konferenz gearbeitet, um dann doch in einer Verlängerung, im letzten Moment, noch irgendeine Einigung für die Zukunft zu erzielen. Dann sind alle beruhigt, in der Zwischenzeit passiert nichts und allmählich ahnt man, dass man die gesetzten Ziele (Kioto) nicht erreichen wird. Wozu brauchen wir also die Treffen? Als Adrenalinstoß für die öffentliche Meinung? Um unser Aufregungspotential zu befriedigen?

Die öffentliche Meinung glaubt daran, dass international verbindliche Vereinbarungen für den Klimaschutz nötig sind. Ich frage mich, was wir uns davon überhaupt noch erwarten. Ist es nicht sowieso klar, dass wir uns möglichst rasch von der fossilen Energie verabschieden müssen – durch Einsatz erneuerbarer Energien, durch verändertes Mobilitätsverhalten und durch Reduktion des Energieverbauchs in den Industrieländern.

Was hindert eigentlich die einzelnen Regierungen daran, Vorreiter auf dem Weg in eine solare Wirtschaft zu sein und damit (volks)wirschaftliche Vorteile zu erzielen: Die Entwicklung neuer Technologien bringt Exportchancen und Arbeitsplätze verbessert die Zahlungsbilanz durch Exporte und gleichzeitiges Zurückdrängen der fossilen Importe.

Wieso glauben wir eigentlich, dass Regierungen nach so einer Klima-Konferenz wie in Kopenhagen plötzlich eine neue Energiepolitik betreiben wollen, wenn sie seit Jahren eine zukunftsorientierte Energiepolitik blockieren? Die Verbandelung mit den Lobbies der fossilen Wirtschaft wird durch Konferenzziele ja nicht beendet.

Eine Klimakonferenz ist für mich nur dann glaubwürdig, wenn es mit einer Zielvorgabe gleichzeitig einen verbindlichen Aktions- und Zeitplan gibt: Wann ist was durchzuführen, beginnend mit den nächsten zwei Monaten. Wieviel Personal wird für die Ausarbeitung der Umsetzung bereit gestellt. Meilensteine in mindestens Halbjahres-Schritten müßten verbindlich definiert und öffentlich diskutiert werden. Erst dann könnte ich mir Gedanken darüber machen, ob deklarierte Ziele wirklich ernst gemeint seien.

Auch Journalist/innen kommen zu ähnlichen Meinungen:

Fotos: Errichtung des Windparks Spörbichl/Windhaag

Wie schmecken Windkraftanlagen?

Donnerstag, 10. Dezember 2009

In den vergangenen Wochen gab es eine intensive Diskussion in lokalen Medien über Windkraft im Mühlviertel. Auslöser waren Widerstände gegen eine angedachte Errichtung eines Windparks in Windhaag/Leopoldschlag. Die Proponenten luden zu einer Informationsveranstaltung ein, um Kritik hinter vorgehaltener Hand zu begegnen.

Als Geschäftsführer der Fa. Neue Energie GmbH bin ich über das neue Projekt informiert, stehe Windkraftprojekten grundsätzlich positiv gegenüber und möchte zu den aktuellen Diskussionen und Einwänden Stellung beziehen. Das neue Projekt wird übrigens nicht von den Betreibern des Windparks Spörbichl vorbereitet.

Ich zitiere einige Einwände, die in den Medien kolportiert wurden: Einige Anrainer befürchten

eine nachhaltige Verschlechterung ihrer Wohnqualität und massiv negative Auswirkungen auf die weitere Siedlungstätigkeit im Markt. Außerdem wird mit einem nicht zu verantwortendem Eingriff in die gesunde Natur und das typische Landschaftsbild argumentiert. “Windräder sind typisch für Küstenlandschaften, nicht für das Mühlviertel“, … die Anrainer befürchten Lärmbelästigung und Schattenwurf. (Tips, 2.12.2009, Seite 2)

Die Befürchtungen sind so alt wie die Geschichte der modernen Windkraftanlagen

Die Befürchtungen sind so alt wie die Geschichte der modernen Windkraftanlagen. Veränderung des gewohnten Landschaftsgefühls, Lärm, Schattenwurf. Nur von den toten Vögeln hat hier noch niemand geschrieben. Aber die gibt es eben nicht, das entspricht auch der Erfahrung der ersten 10 Jahre Windpark Spörbichl.

Eine strenge Prüfung geht der Errichtung von Windparks voraus

Der Errichtung eines Windparks geht eine strenge Prüfung verschiedener Faktoren voraus: Abstände und Lage der Häuser in der Umgebung für Lärm- und Schattenwurf. In Spörbichl waren 300m Abstand nötig, die aktuelle Anlagen (Vorderweißenbach) erfordern bereits 700m bis 1000m Abstand. Genaue Gutachten geben genau an, welche Fenster zu welchen Zeiten und unter welchen Bedingungen von einem Schattenwurf betroffen sind. Es geht meist um ein paar mögliche Jahres-Stunden (!) im Winter bei Morgen- oder Abendsonne. Auch beim Lärm kann ich entwarnen: Bei heftigem Wind sind die Umgebungsgeräusche (Bäume) lauter. Besonders streng wird ein Windpark vom Landschaftsschutz geprüft.

Kein Lärmproblem

Alfred Klepatsch, direkter Anrainer des Windparks in Spörbichl: “Allerdings kann von einem Lärmproblem nicht die Rede sein. Ich wohne etwa 300m von den Windrädern entfernt, man hört sie schon hin und da, aber es ist nie eine Belastung.

Zurück zu den Anrainer-Befürchtungen. Die Spörbichler Dorfgemeinschaft ging 1998 etwas klüger vor. Nach einem ersten Gespräch mit den potentiellen Anrainern des Windparks Spörbichl haben die Spörbichler den Windpark Eberschwang/OÖ. besucht und vor Ort geprüft, ob die Windkraftanlagen eine optische, akustische  oder sonstige Belastung seien. Sie haben sich vom Gegenteil überzeugt: Spörbichl ist imagemäßig aufgewertet worden, Windhaag hat den Europäischen Solarpreis erhalten und ich erinnere mich noch an die Zeit nach Inbetriebnahme Ende 1999: Es gab einige besorgte Anrufe von Anrainern, allerdings nur dann, wann die Anlagen nicht in Betrieb waren: Warum sie nicht laufen, ob eh alles in Ordnung sei!

Horror-Visionen verängstigen nur

Den Bock der Windkraft-Gegner schießt ein (befreundeter) Künstler ab, indem er als ästhetisch Betroffener eine Horror-Vision sieht: Das Wald- und Mühlviertel mit Windrädern überzogen! (W.B.) Das ist aufgrund der Zersiedelung des Mühlviertels schlicht unmöglich. Wenn wir keine anderen (Energie-)Sorgen haben, dann ist ja alles in Ordnung!

Keine Angst, Walter, die Naturlandschaft des Mühlviertels ist eine Kulturlandschaft (Agrikultur), hat sich immer wieder verändert und gerade als Künstler sollte man soviel ästhetische Flexibilität aufbringen, auch neue Elemente in der Landschaft zu akzeptieren. Am gleichen Tag, als mich dein Leserbrief-Email erreichte hat mir ein anderer befreundeter Künstler & Kunstprofessor von sich aus von einem Urlaub an der Ostsee erzählt, von den ästhetischen Windkraftanlagen, die man vom Fenster aus sehen (und auch ein bisschen hören) konnte. Er beobachtete ein interessantes, ruhiges Drehen der Räder, die manchmal synchron, manchmal asynchron zu einander sich drehten. So verschieden können Geschmäcker sein.

Keine Angst! Die Windkraftanlagen sind keine nachhaltige Beeinträchtigung: Sie werden nach etwa 20 Jahren wieder abmontiert und haben in dieser Zeit ihren Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung beigetragen.

Irgendwie werden wir unsere Energie gewinnen müssen. Dass das nachhaltig sein muss, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Gegenden mit unbebauter Landschaft können Windkraft nutzen, andere Gegenden werden stärker auf Biomasse, Solarenergie oder Wasserkraft setzen. Das Beste ist ein Mix aus diesen nachhaltigen Energieformen. Als sinnvoll empfinde ich, dass jeder Ort einen (auch sichtbaren) Beitrag zur eigenen Energieversorgung leistet. Darauf dürfen Orte (wie beispielsweise Windhaag) ruhig stolz sein.

Angst vor nachhaltiger Energiegewinnung ist deplatziert. Angst sollte man nur davor haben, dass wir von unserem fossilen CO2-Trip nicht rasch genug herunterkommen.

Ein Angebot: Der technische Betriebsleiter des Windparks Spörbichl, Franz Zacharias aus Spörbichl, lädt gerne alle Interessierten zu einer Windpark-Besichtigung nach Spörbichl ein, vielleicht können sich einige Vorurteile in Luft auflösen.

Der Umweltminister allein kann das Klima nicht retten

Montag, 26. Januar 2009

Jetzt wissen wirs: Der Umweltminister allein kann das Klima nicht retten. So erklärt uns Umweltminister Nikolaus Berlakovich, dass alle ihren Beitrag leisten müssen, der Verkehr, die Industrie, die Bundesländer, jeder und jede Einzelne. (SN, 23. Jänner 2009)

Weiß er auch, dass er als Minister die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu organisieren hat, damit diese alle ihren Beitrag leisten werden? Die Rahmenbedingungen für CO2-Reduktion sind Steuern und Abgaben (fossile Energieträger, Individualverkehr) und Förderungen (öffentlicher Verkehr, erneuerbare Energie, Wäremedämmung). Aus der Naivität seiner Ansage Der Umweltminister allein kann das Klima nicht retten zu schließen, wird auch in dieser Regierungsperiode nicht viel in diese Richtung geschehen. Der Anfang zeigt es: Die Verschrottungsprämie für Altautos mag der Autoindustrie helfen, das Geld wird aber für klimawirksame Maßnahmen fehlen. Schade.