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Bildungsbericht: Was alles nicht bekannt ist

Donnerstag, 02. Juli 2009

Der nun vorliegende erste (!) österreichische Bildungsbericht zeigt eines: Die politischen und administrativen Ebenen der Bildungspolitik haben versagt: vom Ministerium bis zu den Landes- und Bezirksschulräten. Irgendwer könnte ja die fehlende Information weitergeben oder einholen.

So wisse man, heißt es in dem zweibändigen, zusammen 650 Seiten starken Bildungsbericht, äußerst wenig bis gar nichts über die tatsächliche Unterrichtspraxis an den Schulen. …

Claus Reitan, Die Furche 27/2009, 2. Juli 2009

Wahrscheinlich das erste Mal in der österreichischen Bildungsgeschichte hat sich das Ministerium für die Matura-Aufgabenstellungen interessiert, alle Vorschläge wurden zentral gesammelt (und hoffentlich auch gesichtet). Eh klar, muss man sich doch ministeriell auf die Zentralmatura vorbereiten: Was ist an Aufgabenstellungen möglich, was ist bisherige Praxis? Wie sonst könnten von Gremien, die mit konkretem Unterricht offenbar sehr wenig am Hut haben (es gilt die Unschuldsvermutung), die zentralen Fragestellungen vorgegeben werden. Von ministeriellen Rückmeldungen zu den Aufgaben weiß ich übrigens nichts.

Links:

cover

Nationaler Bildungsbericht 2009, Band I, pdf, 4,7 MB

Band 2

Nationaler Bildungsbericht 2009, Band II, pdf, 4,2 MB

Kurzversion des Nationalen Bildungsberichts 2009, HTML

Profilverschärfung

Dienstag, 19. Mai 2009

So eine Schulreform muss schon eine irre Kraftanstrengung sein. Da arbeiten Leute an einer Profilverschärfung, halten ihre Arbeit für Qualitätsverbesserung und vertreten doch nur ihre persönlichen Interessen. Da soll mittelfristig eine Schule auf einen zentralen Fachbereich hingebogen werden, der nach bisheriger Erfahrung (freie Wahl der Ausbildungsschwerpunkte) nicht den Schüler/innen-Interessen entspricht. Und wieder einmal ist die personelle Besetzung eines Gremiums dubios und schräg, nur der betroffene Fachbereich ist involviert, betroffen sind aber dann letztlich alle Bereiche. Kurzfristig sollen ein paar organisatorische Maßnahmen für Verbesserungen des Unterrichts in diesem Fachbereich sorgen.

Kommt denn hier niemand auf die Idee, über pädagogische Maßnahmen, Erneuerungen und Verbesserungen nachzudenken? Das Schulprofil zu verschärfen, also einen Fachbereich nach vor zu drängen, heißt immer auch, die anderen Bereiche (zumindest relativ) nach hinten zu stellen. Auf diese Weise wird weder der betroffene Fachbereich besser (es wird nur mehr vom Gleichen sein), die Schüler/innen werden (unnötigerweise) abgeschreckt. Der Berufs- bzw. Studienwahl ist eine Einengung ihrer breit gefächerten Vorkenntnisse sicher nicht dienlich.

Ach ja: Die befragte Wirtschaft antwortet übrigens nur auf die gestellten Fragen, da kann also – ob aus Kalkül oder aus Dummheit oder ob sogar gut gemeint sei dahin gestellt – ganz schön manipuliert werden. Vergessen wir nicht, dass wir für eine Gesellschaft und Wirtschaft von heute und nicht vor 30 Jahren (aus)bilden!

Wohltuend klüger war die Rede von Univ. Prof. Dr. Gerhard Funk von der Kunst-UNI Linz bei der ersten öffentlichen Präsentation der StudentInnen-Arbeiten der Studienrichtung “Zeitbasierte Medien“: Das Profil der Kunst-UNI wird durch diesen Zweig verbreitert (nicht verschärft), gegenseitige Wertschätzung der verschiedenen Schwerpunkte fördert die Qualität und Breite der Ausbildung. Gerade die “Neuen Medien” sind topaktuell in Gesellschaft, Kunst und Wirtschaft. Für mich persönlich erfreulich: die erkleckliche Anzahl an ausgestellten Arbeiten aus meinem Lehrveranstaltungsangebot “Realtime Processing”!

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Vernissage "Time Goes Public" an der KUNST-UNI Linz

Gemeinsame Schularbeiten: Schein-Objektivität

Freitag, 03. April 2009

Seit ein paar Jahren geistert an unserer Schule die Idee der gemeinsamen Schularbeit für Parallelklassen umher. Das soll zu Standardisierung und Objektivität führen, verursacht aber vor allem unnötigen administrativen und organisatorischen Mehraufwand. Nicht immer zugunsten der SchülerInnen. Ich beschreibe zwei strukturell verschiedene Situationen:

Zwei der drei verschiedene Lehrkräfte geben am gleichen Tag die gleichen Aufgaben zur Schularbeit. Objektiv? Klarerweise muss dieser Entscheidung die Koordinierung des Unterrichts davor ergeben: gleich viele Unterrichtsstunden, gleich viele Übungen, gleich gut bzw. intensiv erklärt. Über den Unterrichtsverlauf müssen sch die Lehrkräfte regelmäßig austauschen, um eventuelle Ungleichheiten sofort auszugleichen. Vorausgesetzt werden weiters gleiche Schwerpunkte und Interessen seitens der Lehrkräfte (der Lehrplan ist nach wie vor ein Rahmenlehrplan, LehrerInnen haben daraus auszuwählen und Schwerpunkte zu setzen). Abgesehen davon, dass die eben genannten Rahmenbedingungen kaum oder nur schwer erfüllt werden können, werden bei diesem Modell die SchülerInnen vergessen: Ist die Schülerklassenzahl etwa gleich groß, sind die SchülerInnen etwa gleich gut bzw. interessiert, werden manche Themen aufgrund von SchülerInnen-Interessen ausführlicher unterrichtet? Dieses Standardisierungsmodell geht von einem Unterricht über die Köpfe der SchülerInnen hinweg aus. Das ist ein möglicher Unterrichtsstil, er hat aber mit der von uns Lehrkräften geforderten Individualisierung wenig zu tun.

In der zweiten Situation unterrichte ich selbst zwei oder drei Klassen parallel im gleichen Fach. In diesem Fall könnte ich die Schularbeit zur gleichen Stunde mit gleichen Aufgabenstellungen leichter halten, weil ich (hoffentllich) gleich gut und intensiv erkäre. Da es bei meinem Unterricht eine Rolle spielt, wer in der Klasse sitzt, wie sich die SchülerInnen beteiligen und zumindest ansatzweise die Möglichkeit zur Eigenständigkeit haben, wähle ich auch in dieser Situation nicht einen gemeinsamen Termin. Die Illusion der größeren Objektivität lohnt nicht den Aufwand, fachfremde und womöglich am Computer nicht versierte KollegInnen als Aufsicht zu haben und dann einen Berg Arbeiten korrigieren zu müssen. Ich lege Schularbeiten in Parallelklassen lieber weiter auseinander, damit der Prüfungsstoff etwas unterschiedlich ist. Dann kann ich in kleineren Portionen die Arbeiten korrigieren und auf den tatsächlichen Unterricht entsprechend Bezug nehmen.

Schülergruppe im Lentos: Standardisierte Aufgabenstellung?

Schülergruppe im Lentos: Standardisierte Aufgabenstellung?

Über Schulpolitik schreiben?

Donnerstag, 06. November 2008

Über Schulpolitik schreiben.

Ich nehme mir vor, neben der nötig Kritik auch positive Ideen aus meiner pädagogischer Erfahrung zu skizzieren und als Beitrag zur Bildungsdebatte zu positionieren. Ob es was hilft, ob es zuständige (entscheidungsbefugte) Personen lesen und dann auch darüber nachdenken, ist eine andere Frage.