Berlin, Tag 2: Soziale Fragen, Berliner Mauer

24. Oktober 2015

Wir besuchen die evangelische Zufluchtsgemeinde in Berlin-Spandau zu einem sozialpolitischen Gespräch mit Pastorin Constanze Kraft. Thema ist die Flucht- und Asylproblematik. 1945 waren als Folge der neuen Ostgrenzen Deutschlands etwa 12 Millionen Menschen auf der Flucht nach Deutschland, über 5000 fanden in derer Gemeinde Spandau in ehemaligen Polizeibaracken provisorische Unterkunft. Das gab der Pfarrgemeinde den Namen „Zufluchtsgemeinde“. 1989 kamen ebenfalls als Folge von 1945 bzw. eigentlich 1933 etwa 1 Million russischer und rumänischer Deutscher Flüchtlinge, viele davon in die Trabantenstädte rund um Berlin. Zusammen mit der polnischen und der türkischen Community gibt das mehrere Parallelgesellschaften. Die Schulen entscheiden autonom, wie sie mit Sprachproblemen umgehen. Was geht in den Menschen vor, dass sie die Sprache nicht lernen wollen/können? Was wirkt als Blockade bezüglich Sprache? Andererseits gibt es in Frankreich und Großbritannien dieses Sprachproblem nicht und die soziale Integration funktioniert auch nicht besser. Integration sollte man also nicht monokausal auf die Sprache beziehen. Die aktuelle Ankunft von Flüchtlingen aus Syrien, Irak und Afghanistan ermöglicht gemeinsames Engagement zwischen dieses Parallelgemeinschaften.

Mittagessen im Gropius-Haus, von der gemeinnützigen Organisation Mosaik betrieben, bietet es Menschen mit Beeinträchtigungen einen Arbeitsplatz und soziale und berufliche Integration. Die aktuelle Mondrian-Ausstellung im Gropius-Haus können wir leider aus zeitlichen Gründen nicht besuchen.

Der Nachmittag ist der Politik gewidmet. Wir besuchen Abschnitte der Mauer, Wachtürme, Todesstreifen und erfahren einiges über die Teilung von Berlin. Bei mir kommen alte Erinnerungen ins Bewusstsein: Wir hatten in den 1990er Jahren Freunde in Ost- und in Westberlin und kannten die Mauer und die Grenzübergänge mit den Prozeduren.  Am Grenzübergang Friedrichstraße würde ich mehrmals gefilzt, einmal bei einem Besuch einer Untergrundveranstaltung der Studentengemeinde in Ostberlin zum Thema Kirche im Dritten Reich. Am Checkpoint Charlie warteten wir zuletzt im Sommer 1989. Unser befreundetes Ehepaar schrieb im September 1989, dass zu den Demos immer nur ein Elternteil geht, damit der andere für die Kinder übrig bleibt, sie müssten mit dem Schlimmsten rechnen, nämlich wie in China von Panzern niedergewalzt zu werden.

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Mauerabschnitt als Gedenkstätte

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Stahlstangen zur Visualisierung des Mauerverlaufs

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Ein Wachtturm neben der Mauer

Topografie des Terrors (Nazi-Folterzentrum) und Holocaust-Denkmal: Der Umgang der Deutschen mit ihrer Nazi-Vergangenheit scheint unverkrampfter als in Österreich. Die zahlreichen Gedenkstätten sind auf Wegweisern und im öffentlichen Raum gut sichtbar. Spannend bleibt für mich, ob und wie Deutschland es schafft, dieses Thema auch in der zugewanderten Bevölkerung zu verankern. Das kann über die gemeinsame Schulbildung gelingen.

Wer mehr übers Holocaust-Denkmal in Berlin wissen will, hier sind drei Links.

(1) https://www.holocaust-denkmal-berlin.de/index.php?s=1
(2) http://www.berlin.de/orte/sehenswuerdigkeiten/holocaust-mahnmal/
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Denkmal_für_die_ermordeten_Juden_Europas

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Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen

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Holocaust-Denkmal

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Holocaust-Denkmal in Berlin

Abends gab es legendäre Currywurst bei Konnopke.

Berlin sozialpolitisch, Tag 1: Urban Gardening

23. Oktober 2015

Sozialpolitische Berlinreise 22. – 27.10.2015 mit weltanschauen.at

Reisevorbereitung eine Woche vor der Reise in Form eines Abendworkshops mit Informationen über die Geschichte Berlins, die einzelnen Bezirke und zum Reiseprogramm. Blick auf Berlin als Stadt mit Geschichte, als politische Stadt, als grüne Stadt, als Stadt zum Radfahren.

Es ist meine zweite Reise mit Weltanschauen, die erste führte uns vor zwei Jahren in die EU-Hauptstadt Brüssel mit sozialpolitischem Blickwinkel. Weltanschauen ermöglicht Reisen unter anderem Blickwinkel und der Begegnungen mit sozialpolitisch engagierten Personen.

Anreise mit Nachtzug, in Berlin mit Öffis. Übernachtung in der Pension Peters, einem nachhaltigen Familienbetrieb mit Bio-Frühstück.

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Hauptbahnhof Berlin: mehrere Etagen

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Hauptbahnhof Berlin: Transparenz

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Blick auf den Hauptbahnhof Berlin

Pension Peters Berlin

Rezeption der Pension Peters in Berlin

Tag 1: Sehenswürdigkeiten und Urban Gardening

Am ersten Vormittag  Stadtführung zu den wichtigsten Highlights im historischen Zentrum zu Fuß und mit Öffis. Aus der früheren und neueren Geschichte der Stadt ergibt sich die großzügige Anlage breiter Straßen mit viel Grün in Form von Alleen und Parks. Einen dieser Parks, die Prinzessinnen Gärten, besuchen wir am Nachmittag mit einer ausführlicher Führung: hier wird Urban Gardening nach einer Idee aus Kuba betrieben: Pflanzen in Kisten und Säcken, Bewässerungshilfen mit großen Kanistern und Schläuchen. Über 40 Tomatensorten, etliche Kartoffelsorten, Gemüse und Kräuter werden gepflanzt, die Samen für die nächste Aussaat gewonnen, die Ernte wird verkauft bzw. in der eigenen Gartenküche zu saisonalen Gerichten verkocht. Wer im Garten mithilft bezahlt die Hälfte für den Einkauf bzw. für das Essen. Dieses Urban Gardening-Projekt gewinnt die Samen für die nächste Aussaat und lagert sie systematisch, man kann die Samen hier kaufen bzw. lernen, wie man selber Samen gewinnt.

Am Gelände befindet sich eine Fahrrad-Reparaturwerkstätte, die regelmäßige Workshops abhält sowie eine „Material-Mafia“ für Upcycling von Abfallstoffen aller Art. Ein Freiluft-Roundtable steht für Meetings und Veranstaltungen der freien Sozial- und Kulturszene zur Verfügung. Erstaunlich ist, dass hier einfach ein paar Leute mit Urban Gardening begonnen haben und mit der lokalen Bezirksverwaltung ein Agreement gefunden haben, das anfangs nur jährlich verlängert wurde. Das Projekt beschäftigt ein paar Teilzeitarbeitskräfte. Zwei Tage später besuchen wir einen Flohmarkt in den Prinzessinnen Gärten mit Verköstigung.

Urban Gardening in Kisten

Urban Gardening in Kisten

Tomaten vertikal

Tomaten vertikal

Veranstaltungshinweise

Veranstaltungshinweise

Gastgarten der Garten-Küche beim Flohmarkt

Gastgarten der Garten-Küche beim Flohmarkt

Keine Angst vor der Zentralmatura in Mathematik!

25. Februar 2015

Nachdem ich mich zur Konzeption der Zentralmatura für Mathematik in den letzten Jahren immer wieder kritisch geäußert habe, möchte ich ein paar Worte zur aktuellen Situation finden.

Ursprünglich hat die erforderliche Vereinheitlichung der Prüfungsangaben ja sogar den Einsatz moderner Technologien im Unterricht in Frage gestellt. Das hat sich im Bereich der Mathematik sehr zum Besseren gewendet: Den Item-Writern ist es gelungen, Fragen so zu formulieren, dass sie gut lösbar sind, unabhängig von der im Unterricht verwendeten Technologie. Das ist eine beachtliche Leistung.

Vor ein paar Wochen haben meine Schüler/innen im Rahmen eines „Workshops Zentralmatura“ die Aufgabestellungen der Probematura 2015 für den Bereich HAK erhalten und sich 3 Stunden damit – alleine oder im Team – auseinandergesetzt. Es ging mir darum, dass die Schüler/innen die Art der Aufgabenstellungen kennen lernen, um die Angst vor der Zentralmatura im nächsten Schuljahr zu verlieren. Ich denke, das ist ganz gut gelungen: „Jetzt habe ich keine Angst mehr vor der Zentralmatura„, so die Aussage eines Schülers, der nicht zu meinen besten gehört.

Die Aufgabenstellungen sind erstaunlich einfach, setzen allerdings eine ausführliche und verständnisorientierte Beschäftigung mit den Stoffgebieten voraus. Genau das finde ich sinnvoll. Auch zeitlich müsste man ganz gut zurecht kommen.

Ich gehe davon aus, dass alle meine Schüler/innen die Zentralmatura positiv bewältigen! Klarerweise auch für mich als Lehrer ein beruhigendes Gefühl.

Hyperbolische Beobachtungen

17. Juli 2014

Während eines Konzertes konnte ich folgende Beobachtung machen: Knapp neben der Mauer steht eine Kerze in einem Glas. Die Flamme bildet zwei Schatten an der Wand: Die obere Schatten wird mit der oberen Glaskante gebildet, der untere Schatten vom Kerzenbehälter. In beiden Fällen ist der Schatten eine Kegelschnittlinie und zwar jeweils eine Hyperbel. Der (unsichtbare) Kegel wird von der Flamme als Spitze gebildet, der obere Glasrand gibt einen Schnittkreis wieder. Verbindet man die Flamme mit dem Schnittkreis und verlängert diesen Kegel Richtung Mauer, entsteht als Schatten die Kegelschnittlinie Hyperbel: im  idealen Fall – bei ruhiger Flamme – ist die Kegelachse parallel zur Mauer.

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Da die Flamme eine Ausdehnung hat, gibt es keine klare Kegelspitze, sondern einen unscharfen Kegelrand. Das zeigt sich auch am Schattenwurf. Im Video sieht man, dass sich die Flamme durch Luftzug bewegt: Eine Bewegung in der Vertikalen bringt eine Veränderung der Hyperbel, wobei die Kegelachse parallel zur Mauer bleibt, der Kegelwinkel sich aber ändert und entsprechend der Schatten flacher oder spitzer wird. Die Flamme bewegt sich im Luftzug auch seitlich, was zur Folge hat, dass sich der Kegel neigt: Der Glasrand wird schräg geschnitten und die Kegelachse ist nicht mehr parallel zur Mauer. Entsprechend verändert sich der Schatten, er bleibt allerdings eine Hyperbel.

Die untere Hyperbel hat übrigens eine andere Form, sie wird von einem flacheren Kegel gebildet, da der Kerzenbehälter im Glas steht und daher kleiner als die Glasgrundfläche sein muss.

Vielleicht programmiere ich eine Animation, die folgende Parameter enthält: Das Flackern der Flamme beeinflußt die Größe (Höhe und Breite) und die seitliche Ausschwingung der Flamme. Die Höhe verändert den Kegelwinkel, die Breite den Unschärfebereich und der seitliche Ausschlag die Neigung der Kegelachse. Die Flammenbewegung kann regelmäßig oder unruhig sein. Der Abstand des Kerzenglases von der Wand, die Größe/Höhe des Glases sind weitere Parameter. Genug zu tun!

Kegelschnittlinien auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Kegelschnitt

Ich drucke Dinge, die man nicht braucht.

08. Januar 2013

Seit ein paar Wochen drucke ich 3D. Rapid Prototyping nennt man das, in dem Sinne, dass man (relativ) schnell Prototypen drucken kann. Serien exakt gleich reproduzierbarer Dinge sind mit meinem Druckermodell angeblich (noch) nicht möglich.

Gekauft habe ich einen Mendel Prusa I3, das ist ein Selbstbausatz für einen reprap-Drucker bestehend aus dem Open-Source-Prozessor Arduino, den elektronischen Bauteilen, Motoren, Kabeln, Netzteil für die Stromversorgung und dem Gerüst für den Drucker. Eine Anleitung in Bildern zum Zusammenbau gibt es im Internet. Nach dem Löten der Elektronik, dem Gerüstbau und der Montage der Motoren und der Heizplatte war die größte Herausforderung die Kalibrierung der drei Achsen und des Materialeinschubs. Mit Hilfe eines Chat-Forums und scharfer Fehleranalyse konnte ich die Kalibrierung fertig stellen. Jetzt ist – in der Grundfläche – ein Quadrat ein Quadrat und ein Kreis ist ein Kreis, auch die Z-Richtung stimmt.

Bilder: Bauteile und Drucker

Die Idee, mich mit Rapid Prototyping zu beschäftigen, kam aus verschiedenen Richtungen: Im letzten Jahr habe ich im Rahmen eines Kurses im Künstlerdorf Neumarkt an der Raab das Schaffen von Bronze-Skulpturen kennen gelernt und Konzepte für algorithmisch erstellte Skulpturen entworfen. Zugleich habe ich im Rahmen meiner Lehrveranstaltung Realtime Processing an der Kunst-UNI Linz Projektideen für Microsoft Kinect entwickelt. Kinect liefert mit einem Infrarot-Sensor 3D-Daten, wird eigentlich für Spiele verwendet, aber ProgrammiererInnen und KünstlerInnen können die 3D-Daten sowie die Gelenks-Koordinaten von Menschen lesen und damit arbeiten. Was liegt näher, als Kinect als 3D-Scanner für Realtime-Skulpturen zu verwenden! Meine dritte Anregung ist das Fach Darstellende Geometrie und Konstruktion an der HTL in Freistadt – für mich sind die gezeichneten und konstruierten Bauteile ebenfalls Skulpturen.

Aktuelle Projekte

Zur Zeit experimentiere ich mit algorithmisch generierten Skulpturen. Dazu verwende ich openSCAD, ein einfaches Programm, in dem man mit Programmierbefehlen geometrische Formen erzeugt, positioniert, schneidet oder verbindet und als Druckmodell speichern kann.

Das Projekt Hexahedra

Eine Anordnung von Würfel wird verallgemeinert, sodass sie keine regelmäßigen geometrischen Formen mehr sind. Flächen werden schief, Kanten sind nicht mehr parallel. Es entstehen architektonische Zufalls-Strukturen.

Das Projekt Strukturen

Eine zufällig gewählte Anzahl von Kreisbögen, Linien und Rechtecken wird rechtwinkelig in den Raum extrudiert. Die Figuren überlagern und schneiden sich und erinnern mich an Strukturen, wie sie bei historischen Ausgrabungen freigelegt werden. Vielleicht sind es aber auch visionäre Entwürfe von Architektur, deren Zweck sich erst durch Freigabe zur Nutzung erschließt.