Archiv für die Kategorie ‘Privat’

Hans Moser, Franzobel und Zugriffe

Dienstag, 23. Februar 2010

Immer wenn es in den Medien um den Schauspieler Hans Moser geht, steigen die Zugriffszahlen von standpunkte.at. Die Suchmaschinen zeigen Artikel von mir unter den Suchbegriffen Hans Moser und Franzobel, Hans Moser Franzobel, Franzobel Moser, Hans Moser in der Nazi-Zeit. Weil ich vor einiger Zeit einen Beitrag zum aktuellen Theaterstück von Franzobel geschrieben habe.

Übrigens manipuliert auch dieser Artikel die Suchmaschinen: Denn die oben angegebenen Suchbegriffe kommen somit wieder auf standpunkte.at vor und bewerten daher diese Domäne (etwas) besser. Leider hilft diese Seite aber jenen, die danach suchen, nicht wirklich weiter. Eigentlich schade.

Am häufigeren Zugriff meines Beitrages Das Kreuz mit dem Kreuz merkt man, dass jetzt Fastenzeit ist. Die Zugriffe über Suchbegriffe wie kokoschka kreuz, mich dürstet nach reinem wasser, bettina rheims christus, betet einen esel an und andere nehmen entsprechend zu. Außerdem liegt dieser Artikel unangefochten an der Spitze der Zugriffe. Leider weiß ich nicht, ob Das Kreuz mit dem Kreuz für die Suchenden brauchbar oder wenigstens interessant ist. Ich denke schon.

Der allgemeine Bildungsstand bezüglich Prozentrechnen ist noch nicht gestiegen. Nach wie vor suchen Leute nach 10% von Hundert oder nach 5% von Hundert. Am zweithäufigsten gelesen. Macht nichts, die Erklärungen sind immer noch da.

Verdächtig gut – also oft gelesen – ist Wie schmecken Windkraftanlagen? Dieser relativ junge Artikel liegt bereits an 8. Stelle und wird sicher noch weiter nach vorne rücken.

Eingetreten ist, was ich beim Einfügen der Rubrik meistgelesen – augenzwinkernd – befürchtet habe: Wer hat, dem wird gegeben. Häufig gelesene Artikel werden noch häufiger gelesen und als (sozialen) Ausgleich habe ich dafür die Zufallsartikel eingefügt. Ein schönes Nebeneinander von Hierarchie und Gleichmacherei.

Geburtstag

Freitag, 12. Februar 2010
Selbst

Selbstportait zum Geburtstag

Link: Anmerkung zu meinem 50er

Wanderbücher | öffentliches Bücherregal

Freitag, 05. Februar 2010

1984, etwa am Ende meines Studiums startete ich meine Aktion Wanderbücher. BesucherInnen konnten in einer Bücherkiste auswählen und Bücher (gratis) mitnehmen mit der Bitte, sie selbst dann ihren BesucherInnen ebenso wieder zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise sollten Bücher zirkulieren und wandern.

Das Konzept hat nicht funktionert, der starre Eigentumsbegriff unserer Kultur war im Weg. Anstatt die Bücher weiter zu geben, wurden sie mir wieder zurück gebracht (obwohl ich mich nicht mehr als Eigentümer fühlte).

Ein Bericht in der aktuellen Presse hat mir zur Kenntnis gebracht, dass es ähnliche Projekte mit Bücherregalen im öffentlichen Raum in verschiedenen Städten gibt. Im 7. Bezirk steht seit kurzem Wiens erster „Offener Bücherschrank“. Diese Projekte haben eine größere Chance, weil die Bücher keinem Eigentümer mehr zugeordnet sind und ein größeres Publikum ansprechen können.

Ich werde den Bücherschrank bei meinem nächsten Wienbesuch besuchen.

Gendergerechte Sprache?

Samstag, 23. Januar 2010

Ein merkwürdiges Fallbeispiel zum Thema gendergerechte Sprache.

Meine Frau erlebt an der UNI einen Vortrag einer Sozio-Linguistin (Sprachwissenschafterin). Diese spricht von sich immer als Sozio-Linguist (in der männlichen Form) und auf eine diesbezügliche Frage meiner Frau nach dem Vortrag erklärt sie, dass sie das absichtlich macht, weil sie das gendergerechte Sprechen nicht mag. So weit so gut.

Meine Frau erzählt mir daheim, dass sie einen interessanten Vortrag eines Sozio-Linguisten (in der männlichen Form) gehört hat und dieser Sprachwissenschafter viel Erfahrung hat. In mir entsteht logischerweise (und meines Erachtens richtigerweise) das Bild eines männlichen Referenten.

Diese Geschichte zeigt, dass ein Mindestmaß an sprachlicher Differenzierung nowendig ist, um (Gender-)Sachverhalte richtig zu transportieren. Wenn eine Frau von sich spricht oder wenn von nur einer Frau die Rede ist, dann ist einzig die weibliche Form sprachlich richtig. Egal ob der weibliche Sozio-Linguist das so will, ob der weibliche Architekt das so will, ob der weibliche Deutsch-Lehrer das so will, ob der weibliche Chef das so will. Weil man sich sonst nie Wissenschafterinnen, Architektinnen oder Chefinnen vorstellen kann.

Man muss es nicht übertreiben. Aber wenn eine Projektgruppe an der Schule nur aus Schülerinnen besteht, die unter sich von sich in der männlichen Form reden, dann irritiert mich das und ich weise sie (liebevoll) darauf hin. Die (sozial) Begabteren verstehen das.

Noch was: Ich bin der Gender-Beauftragte an unserer Schule. Und ja, sowas gibt es.

Was feiern wir zu Weihnachten?

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Die Beziehung des Göttlichen zum Irdischen/Menschlichen wurde und wird unterschiedlich gedacht bzw. erlebt. Im Griechentum existiert (verkürzt dargestellt) der Götterhimmel voller Götter mit zutiefst menschlichen Eigenschaften, die mit den Menschen an sich nichts am Hut haben, eifersüchtig ihre eigene Unsterblichkeit hüten und Menschen eher als Objekt der Begierde sehen. Mit dieser Vorstellung vom Göttlichen nimmt man als Mensch die Sphäre des Göttlichen nicht so ernst, entschuldigt eigene Schwächen und hadert mit der eigenen Sterblichkeit.

Oder elitäre bzw. autoritäre Vorstellungen einer Erlösung von oben herab: ein (allmächtiger und allgütiger) Herrscher soll die Welt retten. Dieses Denkkonzept lagert die Verantwortung für die Welt auf Autoritäten aus. Die Geschichte mit einem guten Diktator funktioniert aber nicht. Ähnlich unattraktiv ist für mich die Konstruktion der Unnahbarkeit des Göttlichen.

Die Vorstellung der Inkarnation (Menschwerdung, Fleischwerdung) des Göttlichen in der menschlichen Person Jesu denkt anders: nicht als Herrscher, sondern in armen Bedingungen zur Welt gekommen heißt, auch das Geringfügige, Arme, Unspektakuläre der menschlichen Existenz wertzuschätzen. Die göttliche Beziehung zum Menschen ist im Juden-Christentum keine Herrschaftsbeziehung. Das weitere Leben des Jesus bestätigt diesen Ansatz. Gesellschaftlich elitäre Vorstellungen lassen sich mit diesem Konstrukt nicht legitimieren.

Auch wenn manches historisch nicht gesichert ist, entspricht der Geist der Weihnachtserzählung der herrschaftskritischen religiösen Haltung der jüdischen Propheten und versinnbildlicht eine bestimmte Einstellung gegenüber der menschlichen Existenz und der Beziehung zum Göttlichen. Besser könnte man diese Geschichte nicht erfinden. Das Religiöse läßt sich im ursprünglichen judenchristlichen Sinn nicht für Herrschaft missbrauchen.

So gesehen ist Weihnachten zurecht eines der großen Feste des Christentums. Das real existierende Christentum konnte diesen Anspruch allerdings nicht deutlich genug verwirklichen.

(Fehlendes) Foto: Weihnachten 2009 bei den Mosers. Patrick und Deborah aus Uganda mit Tochter Jemima, unsere Freundin Hatice aus Freistadt, Hermine, Hans, Sebastian und Nikolai.