Archiv für die Kategorie ‘Medienkunst’

TypoGrafische Strukturen

Samstag, 26. Dezember 2009

Grafische Strukturen werden mit Hilfe von Algorithmen so erzeugt, dass im Wahrnehmungs-Prozess Gestaltbildung geschieht: durch korrespondierende Bereiche, Aussparungen (die unser Gehirn zum Ergänzen anregen), Verbindungen zwischen den Farben und unregelmäßig skizzierte Begrenzungslinien. Die vorwiegend annähernd orthogonalen Strukturen treten zu Kreisbögen und singulären Linien in Beziehung. Dazu gibt es optional typografische Strukturen aus verschiedenen Texten. Realtime Processing, realisiert mit MaxMspJitter.

Ausstellung im Cafe Suchan, 2008

Die Ästhetik algorithmischer Modelle

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Zur Einordnung meiner künstlerischen und experimentellen Arbeit mit MaxMSP/Jitter habe ich interessante Analysen des Einflusses der Computation auf die Kunst gefunden.

Medienkomposition als Modellbildung

Während in der klassischen Fotografie das Motiv, eine Serie von Bildern oder das Erzeugen abstrakter Bilder im Zentrum der Arbeit steht, verwende ich in meiner Medienkomposition Fotografie und Video (auch Klang) als Material, wobei für die richtige Eignung des Materials eher Kontrast, Tempo, grafische Struktur eine Rolle spielen als das eigentliche fotografische Motiv. Auch mein Videomaterial erzählt keine Geschichten, sondern bringt vorwiegend Bewegung und Veränderung von Kontrasten ins Spiel.

Foto- bzw. Videomaterial wird verschiedenen computergesteuerten Prozessen zugeführt. Die mit Hilfe einer grafischen Oberfläche geschaffenen Programme können als Modelle mit Einflussfaktoren im Sinne der systemdynamischen Modellbildung interpretiert werden.

Ausgehend von einfachen Modellen entwickle ich meine Modelle durch Differenzierung von Parametern und Setzen von komplexen Zusammenhängen: Rückkoppelungen zwischen Parametern, Zufallsprozesse, interaktive und automatische Steuerungen veranlassen meine Modelle zur Gestalt-Bildung – durch die (Echtzeit-)Verarbeitung digitaler Daten (Foto, Video, Grafik, Text, Sprache und/oder Klang) erzeugen diese theoretischen Modelle neue Informationen, die eigenständige ästhetische Qualität haben. Die Modelle visualisieren bzw. verklanglichen – also versinnlichen – die Strukturen des verwendeten Materials und der programmierten Algorithmen.

Die Modelle kann ich als Computerprogramme interessierten Rezipienten zur eigenen Arbeit mit eigenen Materialien zur Verfügung stellen, um so an meinem kreativen Prozess teilzuhaben bzw. diesen Prozess weiterzuführen. Ziel ist nicht ein statisches künstlerisches Produkt, sondern der Gestaltungsprozess durch Beeinflussung von Parametern auf abstrakter Ebene. Ziel ist die Versinnlichung von Algorithmen bzw. die ästhetische Interpretation von Algorithmen.

Die Möglichkeit zum Abspeichern von punktuellen visuellen Ereignissen (Bild), von Videoclips (oder Klangaufnahmen) schafft die Verbindung zur gewohnten Bildkunst. Durch Automatisierung des Speicherns von zeitlich begrenzten Abschnitten läßt sich individualisierte Massenproduktion als Ausschnitt offener und dynamischer Prozesse erzeugen.

Aspekte der Medientheorie von Vilém Flusser, die meine Arbeit berühren

Vilém Flusser schreibt in mehreren medienphilosophischen Aufsätzen über die Auswirkungen der Computation auf Denken, Medien und Kunst.

In Hinweg vom Papier (1987) definiert er Kreativität als Erzeugen vorher nicht dagewesener Information durch Umstrukturierung vorhandener Information.

Es wird zumindest denkbar, dass wir in Zukunft nicht mehr empirisch, sondern auf Grund einer Theorie werden schaffen können. Dass nicht mehr handwerklich, sondern technisch kreiert wird. In diesem Fall wäre mit einer Explosion der menschlichen Kreativität zu rechnen. (Vilém Flusser, Hinweg vom Papier, in: Medienkultur, S. Fischer Vlg, S 62)

In Alphanumerische Gesellschaft (1989) setzt Vilém Flusser in Abgrenzung zum magisch-mythischen und dem historischen Bewusstsein das kalkulatorisch statistische Denken/Bewusstsein. Anstelle des Rechnens tritt das Programmieren, das Manipulieren von Strukturen, das Analysieren und Synthetisieren, das Entwickeln von Modellen:

Der Computer rechnet nicht nur, er synthetisiert die Bits auch zu Gestalten, zum Beispiel zu Linien, zu Flächen, aber auch zu Tönen. Diese Gestalten können miteinander kombiniert werden, … ganze alternative Welten sind aus Zahlen komputierbar geworden. Diese erlebbaren (ästhetischen) Welten verdanken ihre Erzeugung dem formalen, mathematischen Denken. Das hat zur Folge, dass nicht nur wissenschaftliche Theoretiker und deren Theorien anwendende Techniker, sondern alle Intellektuellen überhaupt (und vor allem Künstler) die Codes der neuen Bewußtseinsebene zu erlernen haben, wenn sie am künftigen Kulturbetrieb teilnehmen wollen. Wer die neuen Codes nicht lesen kann, ist Analphabet in einem mindestens so radikalen Sinn, wie es die der Schrift Unkundigen in der Vergangenheit waren. (Vilém Flusser, Alphanumerische Gesellschaft, in: Medienkultur, S. Fischer Vlg, S 52)

Erinnerung an Freistadt

Montag, 14. Dezember 2009

Work in Progress. Eine neue Serie ist da.

Das Konzept

Bei der Erinnerung an (markante) Gebäude einer Stadt setze ich einzelne Strukturen und Formen gedanklich zu einem (neuen) Bild zusammen. Manches erinnere ich noch sehr genau, andere Bereiche fügen sich nur mehr als Grundformen ohne Details, als monochrome Farbschicht ein. Verschiedene Ausschnitte und Perspektiven überlappen sich, erzeugen eine gewisse Spannung und halten das Bild in Schwebe.

In meinem Projekt kombiniere ich bis zu fünf Schichten von Fotos bzw. Grafik zu einem Bild, setze Parameter wie Position, Farbe, Grafik-Processing und speichere das Ergebnis als Kompositum. Für das Generieren der Komposita habe ich mit dem Softwareprodukt MaxMspJitter ein Computerprogramm entworfen, das mit einer grafischen Oberfläche Parameterwahl ermöglicht sowie teilweise automatisiert neue Kombinationen vorschlägt.

Das kombinierte Bildmaterial ist nahezu beliebig erweiterbar, es können unzählige Bilder generiert werden, deren Zusammengehörigkeit klar ersichtlich ist, die sich aber in den dargestellten Inhalten und Details unterscheiden.

Technische Details

Algorithmische Medienkunst.
Quadratisch auf Hahnemühle Fotorag A4 oder A3 308g oder
20×20cm oder 30×30cm auf Holzkassette.

Anmerkungen zur Ästhetik dieser Serie

Vor einigen Jahren habe ich mich mit Modellen der Rauminszenierung im zeitgenössischen europäischen Kino (David Bordwell in: Zeit, Schnitt, Raum 1997) befasst und konnte bei der Re-Lektüre feststellen, dass einige Merkmale der Rauminszenierung auch auf meine Serie Erinnerung an Freistadt zutreffen.

Man kann den … Begriff »planimetrisch« heranziehen, wenn räumliche Tiefe durch eine Reihe bildparalleler Ebenen dargestellt wird. (S 20)

Zwischen der Flächigkeit der Bilder und räumlicher Tiefe besteht aber kein Widerspruch. Der Tiefeneindruck entsteht durch das Überlappen von Konturen, der Nah- und Fernwirkung von Farben und der Anordnung von Elementen. (S 24)

Verschiedene Abstufungen im Übergang zwischen architektonischem Motiv und glatter Farbfläche sowie die horizontalen und vertikalen Linien des Tiffany-Effektes erhöhen den grafischen Eindruck der Bilder. Die Kombination leichter Abweichungen der Perspektive sowie für Altstadt-Architektur ungewöhnliche Farbflächen erhöhen den expressiven Charakter von Erinnerung an Freistadt.

Die ausdrucksstärksten Eigenschaften der besagten frontalen Herangehensweise liegen zweifellos in ihrer Stabilität und ihrer Ausgewogenheit. … Die statische, lang durchgehaltene planimetrische Einstellung »verbildlicht« quasi die Aufnahme, so daß sie einer sorgfältig komponierten (Schaufenster-)Etalage ähnelt. Darin liegt die Verbindung zu Malerie und Grafik. (S 31)

Ein mögliches Szenario

Bürger/innen und Besucher/innen einer Stadt (Beispiel Freistadt) erwerben „ihr“ Bild oder „ihre Bilderserie“ als Erinnerung an Freistadt. Gemeinsam sind den verschiedenen Bildern das Format und die ästhetische Linie. Individuell ist die Art der Präsentation bzw. Rahmung, sofern die Bilder nicht bereits auf Rahmen erworben werden.

Eine verkleinerte Version aller erworbenen Bilder soll im Internet abrufbar sein, auf diese Weise kann man sich einen Überblick über die verwandten Bilder verschaffen. Bei Besuchen werden die Bilder die entsprechende Aufmerksamkeit erhalten, man kann vergleichen und neue Erinnerungen (an die anderen Erinnerungen an Freistadt) wecken.

Medienkunst & Realtime Processing

Die Serie Erinnerung an Freistadt ist ein weiteres Beispiel meiner Medienkunstprojekte, die mit Realtime Processing-Software realisiert wird. Realtime Processing mit MaxMspJitter ist der Inhalt meines Lehrauftrages an der Kunst-UNI Linz. Weitere meiner Medienkunstprojekte habe ich in der Kategorie Medienkunst beschrieben. Ich empfehle auch meinen Text über die Ästhetik algorithmischer Kunst.

bodypainting 2008: videostills

Freitag, 21. August 2009

Videostills mit Aufnahmen vom Internationalen Bodypaintingfestival 2008 in Seeboden, Kärnten, Österreich.

Zweite Teilnahme am Bodypainting-Festival als Videokünstler: In diesem Beitrag sind 45 Videostills zu sehen, die einen Eindruck der diesjährigen Bodypainting-Kunst geben. Die Videostills zeigen Ausschnitte vorwiegend von Nahaufnahmen von bemalten Körperteilen. Die Inhalte der Videostills unterscheiden sich von den üblichen Fotos durch den Focus auf Details.

Meine eigentliche Aufnahmeabsicht war allerdings eine Materialsammlung für Videoprocessing zu generieren.

Die erste Serie sind sehr abstrakte Bilder von bemalten Körperdetails verschiedener Modelle.

Eine eigene Serie zeigt bemalte Portraits.

Serie eines Modells mit pergamentartiger Bemalung.

feedback structures

Freitag, 30. Januar 2009

feedback structures sind mehrstufig vernetzte Rückkoppelungsstrukturen, in die beliebige Audio-Files geschickt werden. Die Rückkoppelungszeiten sind von etwa 2 Sekunden bis 40 Sekunden abgestuft, die Intensität der einzelnen Rückkoppelungsebenen ist interaktiv wähl- und veränderbar. Ein dynamischer Generator steuert die Prozesse automatisch, nachdem man Folder für Gruppen von Audiofiles ausgewählt hat. Echtzeitklangkomposition.

Klangbeispiele

Feedback structures 1
Feedback structures 2
Feedback structures 3