Archiv für die Kategorie ‘Kunst- & Kulturportfolio’

Passion. Kunst. Theologie

Sonntag, 04. April 2010

In der Vor-Osterzeit häufen sich Angebote hochwertiger religiöser Kunst. Ich habe unter anderem eine Aufführung von Gunter Waldeks Stabat Mater im Alten Dom in Linz erlebt. Neben Texten aus der Passionsgeschichte werden in dieser Komposition Texte von Nelly Sachs, Oda Schaefer, Christine Lavant, Giaconda Belli, Ingeborg Bachmann, Else Lasker-Schüler und Christine Busta verklanglicht.

Ich bin durchaus davon überzeugt, dass die Menschen … sich von der Thematik der Passion berühren lassen … vielleicht nicht unbedingt in einem religiösen Sinne, aber zumindest auf einer spirituellen Ebene. (Gunter Waldek)

Sakrale Kunst beschäftigt sich seit Jahrhunderten mit zentralen Fragen der menschlichen Existenz. Die existentielle Betroffenheit der KomponistInnen hat die Musik und ihre Entwicklung massiv beeinflusst. Musik und Bildende Kunst wären ohne diese spirituellen Werke ein großes Stück ärmer.

Neben der sozialen Dimension der christlichen Religiosität ist es für mich besonders die religiöse Kunst, wofür es sich lohnt, Glaube und Religion (und damit auch Kirche) trotz aller Mängel auf der Ebene der Hierarchie nicht abzuschreiben.

Gunter Waldek, Bild: Bruckneruniversität

Gunter Waldek, Bild: Bruckneruniversität

Musik & Gedächtnis

Montag, 08. März 2010

Oliver Sacks ist für einige Bücher über Musik und neurologische Probleme bekannt. Er ist Dozent für Literatur und Neurologie. In “Der einarmige Pianist” beschreibt er Menschen, für die Musik nach Hirnverletzung eine besondere Bedeutung erhielt.

Erschütternd und faszinierend, unvorstellbar jedenfalls, beispielsweise die Geschichte des Musikers und Musikwissenschafters Clive nach einer Gehirnkrankheit 1985: Sein Gedächtnis hält nur mehr ein paar Sekunden. Er erlebt fast jeden Augenblick neu, wie vom Koma erwacht und kann sich an nichts erinnern und keinen neuen Erinnerungsstrom aufbauen. Er wundert sich über seine täglichen Tagebucheinträge wie “diesmal endlich wach“, “richtig wach“, “vollständig wach“, “bei Bewusstsein“. Aber er kennt seine Frau und kann alltägliche Tätigkeiten verrichten. Verblüffend ist, dass er seine musikalischen Fähigkeiten erhalten hat. Er kann seinen Chor leiten(!), Klavier- und Orgelstücke auswendig oder vom Blatt nach Noten spielen oder neu einstudieren. Seine künstlerische Qualität ist vollständig erhalten geblieben. Aber lediglich bei der Ausübung von Musik kann er Zeit über eine längere Dauer erleben. Hört er mit dem Musizieren auf, fällt er aus Raum und Zeit wieder heraus und erlebt jeden Augenblick als neu, ohne Verbindung zu Vergangenheit oder Zukunft.

Oliver Sacks, Der einarmige Pianist. Über Musik und das Gehirn. rowohlt, 2008.

Besuch der Art Innsbruck 2010

Dienstag, 23. Februar 2010

Drei Jahre Besuch der Art Innsbruck: Klarerweise ein großer Anteil gleicher Galerien, an manche Werke erinnere ich mich. Es gibt hauptsächlich Malerei, etwas Fotografie, ein bisschen Skulptur, nichts Experimentelles.

Die Ausstellung ist trotzdem anregend, die Anzahl der für mich interessanten Bilder/Objekte nimmt allerdings von Jahr zu Jahr ab. Ich sehe das in Zusammenhang mit meiner wachsenden Erfahrung mit Malerei: Oberflächliches erkenne ich besser, ich entwickle eine genauere Vorstellung von guter bzw. interessanter Malerei. Die Verbindung zeichnerischer und grafischer Elemente mit Acrylmalerei scheint mir eine gute Richtung zu sein. Einzelne Gespräche mit KünstlerInnen über ihre Werke, ihren Stil, ihre Arbeitsweise helfen mir bei der Einschätzung der eigenen künstlerischen Arbeit.

Besonders interessiert haben mich diesmal auch die Preise bzw. die verschiedenen Preiskategorien nach KünstlerInnen und Galerie. Aber darüber schreibe ich jetzt nichts, außer dass ich meine Preise nach oben anpassen und eine Galerie finden muss.

Form braucht Farbe

Samstag, 13. Februar 2010

Aus meinen Experimenten mit Aryl und Collage, angeregt durch einen Kurs bei Gerhard Almbauer an der Kunstfabrik Wien 2009.

Über das Schreiben

Sonntag, 07. Februar 2010

Keine Angst, ich werde kein Schriftsteller. Ich lese gerade ein Buch über das Schreiben. Ich lese es mit Vergnügen und habe vor, es in anderem Zusammenhang umzusetzen: in meiner Fotografie und Medienkunst. Wie, weiß ich noch nicht.

Stephen King*  schreibt lebendig, humorvoll und verständlich über die wesentlichen Werkzeuge des Schreibens. Manche Blickwinkel kenne ich noch nicht (etwa welche grammatikalischen Konstruktionen man vermeiden soll), manche bestätigen meine eigenen Erfahrungen mit dem Schreiben: dass die passive Form (tendenziell) schwach, unsicher und umständlich wirkt, dass man komplizierte Konstruktionen in mehrere Gedanken zerlegen soll, dass Überflüssiges überflüssig ist. Wie Absätze rhythmische Struktur und Tempo bilden.

Mit Stephen King reflektiere ich geschriebene Sprache neu. Und meine verschiedenen Texte werde ich (noch!) klarer formulieren können: meine Beiträge hier auf standpunkte.at, meine Unterrichtsunterlagen, (kommunal)politische Texte, die Beschreibung meiner Kunstprojekte.

* stephenking